Die unabhängige Zeitung für Uni und ETH

Vom Pilatus in die Charts

in Campus von

Es ist der 8. Oktober 2016 im Luzerner Konzerhaus Schüür. Familie, Freunde, Bekannte und Fans sind an diesem Samstagabend gekommen, um der Plattentaufe des Albums «WAR» der Band Rival Kings beizuwohnen. Der Saal ist bis zu den hintersten Reihen gefüllt, die Stimmung trotz der vielen Leute und der leicht stickigen Luft ausgelassen. Alle warten gespannt auf den Auftritt der sechs jungen Männer. Knapp vor halb elf treten sie dann endlich auf die Bühne, so cool und gelassen, als hätten sie in ihrem Leben noch nie etwas anderes getan, und schaffen es innert weniger Sekunden, das ganze Publikum mit ihrer Musik anzustecken. Als die Luzerner Jungs 2012 die Band Rival Kings gründeten, ahnten sie nicht, dass sie vier Jahre später bereits die Plattentaufe ihres zweiten Albums feiern würden.
Der Durchbruch gelang der Band mit ihrem ersten Album «Citizens», welches 2014 erschien und es unerwartet in die Singlecharts der Schweizer Hitparade schaffte. Zu Beginn hauptsächlich dem Indie-Rock zugeschrieben, hat sich der Musikstil durch ihre Liebe zu eingängigen Melodien in den letzten Jahren immer mehr zum Pop gewandelt. Zu dem bass- und gitarrenlastigen Sound sind in den letzten zwei Jahren Synthesizer und hellere Klänge dazugekommen, und auch die stimmlichen Fähigkeiten von Sänger Étienne Hilfiker haben sich bedeutend weiterentwickelt.
Die Luzerner Band überzeugt, und das nicht nur hierzulande. Gigs in England, Deutschland und Österreich standen schon auf dem Tourneeplan der sechs Luzerner. Auftritte am Zürich Openair und dem Gurtenfestival waren wohl ihre bisher grössten Erfolge. Gitarrist Rafael  Schwab sieht das anders: «Der für mich grösste Erfolg ist die positive Resonanz auf unser musikalisches Schaffen generell – Leute, die nach dem Konzert zu uns kommen und sich bedanken für das, was wir tun.» Der 24-Jährige studiert seit 2014 Publizistikwissenschaften an der Universität Zürich. Als Hindernis für die Musikkarriere sieht er das nicht. Im Gegenteil, das Studium und die Musik ergänzen sich ideal, da das Studium genügend Flexibilität für das zeitintensive Musikerleben lasse. In Zukunft werde die Musik aber nur ein ambitioniertes Hobby bleiben, da es in der kleinen Schweizer Musiklandschaft sehr schwierig sei, Fuss zu fassen und von der Musik leben zu können.
Ihren Erfolg erklären sich die Jungs mit einer Kombination von inhaltlicher Tiefe und energetischer Musik, welche einen Gegenpol zu der heutigen, oberflächlichen «Electronic Dance Music»-Generation darstellt. Sie wollen echte Inhalte vermitteln, Tabuthemen ansprechen und diese in ein Pop-Gewand verpacken. Die Inspiration für neue Liedtexte findet die junge Band in Geschichten, die das Leben schreibt. Primäre Ideenquellen sind persönliche Erfahrungen, auf der anderen Seite aber auch Geschichten, die Freunde, Bekannte oder eine ganze Generation beschäftigen. Auch ihr neues Album «WAR» handelt vom inneren Krieg einer Generation. Eine Generation, welche sich durch innere Zerrissenheit voller Zweifel und krampfhafter Individualität auszeichnet. «WAR» beschreibt diese täglichen Kämpfe mit inneren Dämonen, Problemen und Perspektivenlosigkeit. Das Album besticht durch tiefgründige, ehrliche Texte, mit denen sich jeder identifizieren kann, viel Emotionalität, sowie einem gelungenen Mix aus Pop und dem Rock der frühen Tage.

Das nächste Konzert in Zürich findet am 5. November 2016 im Dynamo (Werk21) statt. Weitere Infos auf www.rivalkings.net

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Placeholder

Rousseau in Zürich

Der Verfassungsstaat steckt in einer tiefen Krise. Die «Rousseau Lectures» wollen Ursachen
Gehe nach Oben