Robbie Williams inszeniert sich weihnachtlich auf dem Cover seines neuen Albums. Cover: © Sony

Robbie Williams inszeniert sich weihnachtlich auf dem Cover seines neuen Albums. Cover: © Sony

Von allen guten (Weihnachts)geistern verlassen

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Auch Robbie Williams gesellt sich zu den unrühmlichen Reihen der Popsternchen, welche ein Weihnachtsalbum herausbringen. Betitelt in Anlehnung an Charles Dickens’ herzerwärmende Weihnachtsgeschichte, ist «The Christmas Present» (Achtung Wortspiel, denn es ist ja auch Williams’ Weihnachtsgeschenk an uns) als Doppelalbum ausgestaltet. Die erste CD zum Thema «Christmas Past» nimmt vor allem alte Klassiker auf, die zweite «Christmas Future» zeigt mehr Eigeninitiative.

Obwohl «Christmas Past» mit weitgeliebten Klassikern zu punkten versucht, gelingt es Robbie Williams nicht, die nostalgischen Gefühle zu erwecken, welche man sich von einem «Winter Wonderland» oder einem «Let It Snow!» wünscht. Da lobe ich mir meinen Nat King Cole, bei dem das Knistern in «Chestnuts Roasting On An Open Fire» eine gemütliche Stube mit knisterndem Kaminfeuer vor dem geistigen Auge hervorruft. Dagegen fallen die Interpretationen von Williams leider ab: Zu modern für den traditionellen Weihnachtsliedergeschmack, zu wenig modern für ein erfrischend komplettes Upcycling der Traditionals, so wie es Michael Bublés «Christmas» von 2011 vorgemacht hat.

Das Duett mit Helene Fischer «Santa Baby» erweckt wahrhaftig vorweihnachtlichen Zorn.

«Yeah! It’s Christmas» ist der erste originelle Farbtupfer im neuen Oeuvre, eine jazzige, etwas zynische Eigenkreation. «It’s A Wonderful Life» mag ein wunderbarer Weihnachtsfilm sein, das gleichnamiges Lied auf dem Album lässt aber leider den festlichen Touch vermissen. Bei «Santa Baby» angekommen, muss ich leer schlucken: Als Duett mit Helene Fischer erweckt es wahrhaftig vorweihnachtlichen Zorn. Wenn man nicht ein annähernd so laszives Hauchen wie Eartha Kitt hinbringt, dann lieber gar nicht erst nacheifern – man wäre wohl besser gefahren mit einer Neuinterpretation. Mit «Idlewild» gelingt zwar ein potentieller Pop-Ohrwurm, welcher aber thematisch und tonal nicht wirklich viel mit Weihnachten zu tun hat und auch das Abschlusslied des Albums, «Soul Transmission», tönt mit seinen Hall-Effekten eher nach einem 80s-Discotune als nach besinnlichem oder modernem Weihnachtsklassiker.

Ich hätte mich gerne vom Gegenteil überzeugen lassen, aber «The Christmas Present» verfehlt es leider trotz Ehrengästen wie Rod Stewart und Bryan Adams, sämtliche guten Weihnachtsgeister von Christmas Past, Christmas Present oder Christmas Future hervorzurufen.

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