Cam Avery und Kevin Parker performen während eines Tame Impala-Konzerts (Bild: Abby Gillardi).

Von Selbstzweifeln und genresprengender Musik

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Das Albumcover von «The Slow Rush», Tame Impalas neuestem Album, lässt bereits das thematische Leitmotiv erkennen: den unaufhaltsamen Lauf der Zeit.

«The Slow Rush» ist mit einer Mischung aus Kevin Parkers Falsettstimme, psychedelischen Synthesizern und effektbeladenen Gitarren durchaus, was man von Tame Impala erwarten würde. Doch das heisst keineswegs, dass Parker sich nur auf bekannte Erfolgsrezepte verlässt. Die zwölf Songs klingen vertraut, aber fordern doch stets heraus.

Hinter dem Namen «Tame Impala» verbirgt sich der Australier Kevin Parker – er schreibt und produziert alle Songs im Alleingang. «The Slow Rush» ist nun sein erstes Album seit fünf Jahren. Das Vorgängeralbum «Currents» hat 2015 wie kein anderes Album die Neurosen und Zukunftsängste einer Generation zwischen Tinder-Dates und Instagram-Likes eingefangen.

Überraschende Wendungen

Der in Perth aufgewachsene Parker ist bekannt als fanatischer Soundtüftler. Er soll sich zuweilen Wochen in seinem Studio einschliessen. Und das merkt man auch «The Slow Rush» an. Das Sounddesign klingt nie trivial. Viele Songs nehmen überraschende Wendungen, laufen den Erwartungen komplett entgegen oder driften wie «Instant Destiny» in abgefahrene Synthesizer-Sequenzen ab. Das die eingängige Vorab-Single «Borderline» in einer geänderten Version auf dem Album erscheint, legt die Vermutung nahe, dass Parker bis zum letzten Moment an seinen Songs gebastelt hat. Ein potentieller Chartstürmer, wie das mittlerweile totgetretene «The Less I Know The Better» lässt sich auf «The Slow Rush» nicht ausfindig machen. Dafür überzeugen das treibende «Breathe Deeper», der vorsichtige Optimismus auf dem melodiösen «On Track» oder das melancholische «Posthumous Forgiveness», bei dem der Musiker die Beziehung zu seinem verstorbenen Vater thematisiert.

Auch wenn nicht jeder Song auf «The Slow Rush» gleich überzeugt, hört man einen Kevin Parker wie man ihn kennt: Als einen sensiblen, von Selbstzweifeln geplagten Nostalgiker, der mit seiner genresprengenden Musik immer aufs Ganze geht. «Wenn ich ein Album starte, muss ich mich irgendwie wertlos fühlen, um Musik machen zu wollen», liess der 34-Jährige letztes Jahr in einem Interview verlauten. Grosse Kunst soll angeblich aus grosser Not entstehen. Das scheint im Fall von Tame Impala nicht verkehrt zu sein.

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