Die neue Sitzverteilung im VSUZH-Rat (Diagramm: Wahlleitung VSUZH)

VSUZH-Rat: Filo und kriPo gewinnen, Schlappe für den Irchel

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Der neue VSUZH-Rat steht. Die Interessengemeinschaft Irchel kassiert eine Wahlschlappe, die filo-Fraktion gewinnt zehn Sitze dazu.

Habemus consilium – wir haben ein Parlament! Die elektronischen Wahlzettel sind ausgezählt, der VSUZH-Rat für die nächsten zwei Jahre ist gewählt. Von den insgesamt 25’593 wahlberechtigten Studierenden und Doktorierenden der Uni Zürich haben 16,4 Prozent ihre Stimme abgegeben. Das entspricht einer Steigerung um 1,4 Prozent im Vergleich zu den Wahlen 2017. Somit hat ungefähr jede oder jeder Sechste an den Ratswahlen teilgenommen. Trotz der leichten Steigerung bleibt die Wahlbeteiligung sehr tief. Ein Armutszeugnis für den VSUZH, der immerhin die offizielle Vertretung der Studis auf universitärer und kantonaler Ebene ist.

Klimabewegung und Frauenstreik halfen nicht

Die tiefe Wahlbeteiligung zeigt auch, dass die Hochschulpolitik weiterhin ein Nischendasein fristet – und dies, obwohl mit der aktuellen Klimabewegung und dem anstehenden Frauenstreik die Studierenden so politisiert daher kommen wie seit langem nicht mehr. Dabei könnten durch die Kanäle des VSUZH wichtige Anliegen wie Kurzstrecken-Flugverbote für Uni-Mitarbeitende oder die konsequente Förderung von Doktorandinnen artikuliert werden.

Auch der aktuelle Streit um die «Bibliothek der Zukunft» vermochte dem VSUZH nicht zu mehr Stimmen verhelfen. Das ist allerdings wenig erstaunlich, da dieses Thema im ohnehin dürftig geführten Wahlkampf kaum von Belang war. Doch das Projekt der angeblichen Superbibliothek betrifft alle Studierende, die hin und wieder eine Bibliothek auffinden – also so gut wie alle Wahlberechtigte.

Es ist keine einfache Aufgabe, den Studierenden eine Stimme zu geben an einer Institution, die ständig im Wandel ist und unter politisch gewollten Spardruck steht. Es käme aber allen zugute, wenn der Verband seine einzigartige Position vermehrt dazu brauchen würde, die Stimmen der Studis dorthin zu bringen, wo sie gehört werden müssen: in die obersten Etagen.

Wahlgewinne für filo, kriPo und für zwei Neulinge

Zu den Gewinnern der Wahl gehört allen voran die Fraktion filo. Sie konnte gleich um zehn Sitze zulegen und belegt neu 15 Sitze im VSUZH-Parlament. Die Fraktion warb mit einem wild durchmischten Programm um die Gunst der Stimmenden. Filo-Kandidierende gaben an, sich für «sinnvolle und einfache Mobilität», «nachhaltige Mensen», «Ausbau der studentischen Angebote» und für das «Wohlbefinden der Studierenden» einzusetzen. Diese schwammigen Formulierungen sind fragwürdig, weil sie kaum Rückschlüsse auf die tatsächlichen Positionen der filo zulassen. Aber sie kamen offensichtlich gut an.

Die linke kriPo (kritische Politik) konnte vier Sitze dazugewinnen. 2017 hatte die kriPo noch sieben Sitze verloren. Damit schliesst die Fraktion nicht ganz zu ihrer alten Stärke auf, stellt aber mit 13 Sitzen die zweitstärkste Fraktion im neuen Rat. Ein möglicher Grund für den Erfolg könnte in der Wahlstrategie der kriPo liegen: Sie trat im Wahlkampf gleich mit zwei Listen an, die mit einer Listenverbindung verbunden waren.

Einen Achtungserfolg verbuchten die beiden neuen Fraktionen bei den vergangenen Wahlen. Die GLP-nahen Liberalen Ökologischen Studierenden (LÖS) gewannen auf Anhieb fünf Sitze, während die Studentische Interessengemeinschaft SIM auf vier Sitze kam.

Irchel verliert, Frauen stellen neu Mehrheit

Die Interessengemeinschaf Irchel (IGI) kassierte eine deftige Wahlschlappe. Zehn Sitze musste die bisher grösste Fraktion einbüssen. Dass die IGI einen Sitzverlust hinnehmen musste, war bereits vor den Wahlen klar: In der vorangegangenen Legislatur hatte die IGI noch 19 Sitze inne, doch für die diesjährigen Wahlen kandidierten nur 15 Personen. Die gewonnen neun Sitze bedeuten aber trotzdem eine Niederlage für die Fraktion, die den Anspruch erhebt, sich für die Anliegen aller Studierenden am Campus Irchel einzusetzen.

Auch die Interessengemeinschaft Oerlikon (IGOR) gehört mit dem Verlust von drei Sitzen zu den Wahlverlierern. Die IGOR kommt damit neu auf eine Fraktionsstärke von sechs Sitzen. Im Gegensatz dazu konnte SI Recht einen Sitz dazugewinnen und stellt neu fünf Personen im Rat. Gleich stark bleiben der Fachverein Oekonomie (fvoec) mit elf Sitzen und FV Jus mit deren drei. Die neu angetretene Fraktion Vorwärts! schaffte den Einzug in den VSUZH-Rat nicht.

Im neuen Rat sitzen 39 Frauen, 31 Männer und eine nicht-binäre Person. Damit stellen Frauen mit 54,9% erstmals die Mehrheit im Parlament des VSUZH. Bei der Gründung des VSUZH im Jahr 2013 lag der Frauenanteil noch bei 27 Prozent, 2017 bei 41 Prozent. Die zwei Jahre dauernde Legislatur beginnt am 21. Mai mit der konstituierenden Sitzung.

3 Comments

  1. Das „Projekt Bibliothek der Zukunft“ ist schon seit längerem in Gang gesetzt und vor allem auch die zuständige Bildungspolitische Kommission zusammen mit dem Vorstand hat dabei sehr viel Arbeit geleistet. Alle Fachvereine/Fraktionen wurden ermuntert an der Vernehmlassung teilzunehmen auch die Kritik der AG Bibliotheken wurde inkludiert.
    Diese Energie/Interessen-Bündelung aufzugeben um Wahlpropaganda zu betreiben wäre Schade gewesen für die studentischen Interessen.

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