Nicht alle Studierende können ihr Studium selbst finanzieren: Uni und ETH greifen ihnen unter die Arme (Bild: Ursula Meisser).

Wem die Uni das Studium bezahlt

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Ab Herbst führt die Universität sogenannte Exzellenzstipendien ein. Diese sollen die herkömmlichen Stipendien ergänzen. Ein Überblick.

 Schon seit September 2017 läuft an der Uni Zürich das Projekt «Neuorganisation Studienfinanzierung», ab Herbst sollen die Änderungen in Kraft treten. Bedürftigkeitsstipendien sollen weiterhin die gezielte finanzielle Unterstützung bedürftiger  Bachelor- und Master-Studierender zur «Minimierung des ökonomischen Drucks» gewährleisten. Mobilitätsstipendien werden ausgebaut und neue Exzellenzstipendien kommen dazu. Das steht im aktuellsten Arbeitspapier des Projekts.

Heute werden die Mobilitätsstipendien über SEMP, das Nachfolgeprogramm von Erasmus, vergeben. Zuständig ist die Abteilung Global Student Experience. «Die Problematik liegt darin, dass via SEMP nur bestimmte Arten von Auslandaufenthalten unterstützt werden können, nämlich solche, die mindestens ein ganzes Semester dauern», erklärt

Adrian Scheidegger, verantwortlicher Projektleiter am Prorektorat Professuren und wissenschaftliche Information der Uni. «Mit SEMP gibt es keine Möglichkeit, kürzere Aufenthalte wie Summer Schools zu unterstützen. Solche Aufenthalte sollen daher künftig durch den Stipendien- und Darlehensfonds unterstützt werden können.»

Finanzielle Zuschüsse für die Besten

Mit der geplanten Einführung von sogenannten Exzellenzstipendien ab dem kommenden Herbstsemester folgt die Uni den Programmen der ETH. Exzellenzstipendien richten sich per Definition nicht an besonders bedürftige, sondern an besonders leistungsstarke Studierende, unabhängig von ihrer finanziellen Situation. 2019 waren es an der ETH rund 50 Studierende, die je um die 24 000 Franken im Jahr erhalten haben. Mit dem Slogan «Geniale Köpfe sollten nicht durch Jobben vom Studium abgelenkt werden» machte die ETH in einer aufwendigen Werbekampagne darauf aufmerksam. Auf den Plakaten war Albert Einstein als Service-Aushilfe, Pizza- und Velokurier zu sehen. Einerseits sollten damit die Exzellenzstipendien unter den Studierenden an Bekanntheit gewinnen, andererseits aber vor allem für neue Gönner*innen sorgen, da sie vollumfänglich spendenfinanziert sind. Und es hat geklappt: Ab nächstem Semester können zehn zusätzliche Studierende davon profitieren, wie auf der Website der ETH Foundation steht. Laut dem «Wirkungsbericht» zu den Exzellenzstipendien 2019 kamen nur 30% der Stipendiatinnen und Stipendiaten aus der Schweiz, denn es gehe der ETH mit dem Programm auch darum, sich im «internationalen Wettbewerb um die grössten Talente» zu behaupten. Der VSETH gibt auf Anfrage an, er habe zu Leistungsstipendien keine offizielle Position.

«Im Vergleich zu den Exzellenz-Stipendien der ETH stehen an der Uni Zürich dafür weniger Mittel zur Verfügung», erklärt Scheidegger. Daher würden wohl für den Anfang nur rund zehn Studierende mit Hilfe solcher Stipendien gefördert werden. «Den Bewerbungsprozess für die Exzellenzstipendien an der ETH durch einen Vorentwurf für die Masterarbeit finden wir im Ansatz gut», sagt Scheidegger, aber: «Grundsätzlich geht es darum, exzellente Studierende an der Uni zu behalten.» Daher wird das Programm vorerst auf hiesige Studierende abzielen. Scheidegger erklärt, wenn man die Stipendien auch auf Studierende anderer Universitäten erweitern würde, stehe man bei der Auswahl der Kriterien für die Stipendienvergabe vor grösseren Herausforderungen.

Nicht die Leistung soll ausschlaggebend sein

Am Projekt «Neuorganisation Studienfinanzierung» beteiligt sich auch der VSUZH. Im entsprechenden Positionspapier verlangt der Verein, dass der Aufbau der neuen Exzellenzstipendien nicht über bestehende Mittel der Universität oder die der Studierenden erfolgen soll. Das heisst, die für Bedürftigkeitsstipendien eingesetzten Gelder dürfen nicht für Exzellenzstipendien eingesetzt werden. Konkret würden also für Exzellenzstipendien neue Mittel eingesetzt werden, die bisher ungenutzt blieben.

Die ETH-Exzellenzgelder sind von Gönner*innen finanziert.

Isaias Moser, Co-Präsident VSUZH, sagt: «Bei den Exzellenzstipendien an der Uni Zürich sollen nicht wie bei denen an der ETH die reinen Leistungsnachweise, sondern auch andere inhaltliche Aspekte der zu unterstützenden Studierenden im Fokus stehen.» Dies sei zwar personell aufwändiger, das sei es aber wert, so Moser. «Vorstellbar wäre ein kleines Gremium, welches eine breite Palette von Kriterien prüft– unter anderem vielleicht ziviles oder soziales Engagement der Studierenden. Auch das Durchführen eines Bewerbungsgesprächs wäre durchaus denkbar.» Moser schliesst aber auch unkonventionelle Methoden nicht aus: «Nicht zuletzt könnte auch über einen Los-Entscheid diskutiert werden. Ein Entscheid durch das Los zeigt letztlich auch auf, dass Exzellenz mit einer gewissen Zufälligkeit zusammenhängt.» Jedenfalls dürfte es schwierig werden, eine einheitliche Regelung für die bunte Vielfalt an Studienprogrammen der Universität Zürich zu finden.

«Extreme Zurückhaltung» der Studis

Doch wie steht es um die aktuelle Vergabe von Stipendien? Brigitte Ortega, Leiterin der Fachstelle Studienfinanzierung der Uni Zürich, erklärt: «In erster Linie werden heute Stipendien vergeben, und in einigen Fällen, manchmal auch ergänzend, Darlehen.» Bei der Annahme von letzteren bestehe aber eine «grosse Zurückhaltung» unter den Studierenden der Uni Zürich. Manchmal seien zum Beispiel schon die Eltern verschuldet, weshalb sich in der Folge die Studierenden nicht auch noch verschulden wollten, so Ortega. Härtefall-Kredite werden in Notlagen vergeben, zum Beispiel dann, wenn die kantonalen Stipendienämter mit der Auszahlung auf sich warten lassen oder wenn die Studiengebühren nicht «auf einen Schlag» bezahlt werden können. Die Fachstelle Studienfinanzierung unterstützt subsidiär zu gesetzlichen Leistungen und sucht gemeinsam mit den Studierenden nach Lösungen, wenn die Eltern nicht zahlen wollen, auch wenn sie dazu in der Lage wären. Man kann sich aber auch an diese Stelle wenden, wenn man sein Studium finanziell planen möchte.

Grundsätzlich sind die Anforderungen für ein Stipendium an der Uni Zürich relativ übersichtlich – neben einer finanziellen Prüfung ist laut Ortega für eine Berücksichtigung zentral, dass ein Studienabschluss in einer adäquaten Studiendauer realistisch ist. Dafür braucht es einen Notenschnitt von mindestens 4.5. Grundsätzlich werde trotz klaren Richtlinien bei jedem Antrag eine Einzelfallbeurteilung durchgeführt, so Ortega. «Leistung muss man meines Erachtens immer in Relation zum Gesamtkontext betrachten.»

Infobox

Bedingungen für ein Stipendium an der Uni:

  •  Erstausbildung
  • Vermögen: max. 5’000 Franken
  • Maximalstipendium bis 18’000 Franken pro Jahr

Bedingungen für ein Stipendium an der ETH:

Zu Bedingungen und Höhe des Stipendiums gibt der Online-Stipendienrechner der ETH Auskunft.

 

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