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    Hat eine turbulente Zeit hinter sich: Noch-Präsident des VSETH Lukas Reichart. (Bild: Marco Rosasco)

Hat eine turbulente Zeit hinter sich: Noch-Präsident des VSETH Lukas Reichart. (Bild: Marco Rosasco)

«Wer an der Uni nur konsumiert, verändert nichts»

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Im Herbst tritt Lukas Reichart als Präsident des VSETH ab. Mit der ZS schaut er zurück – zum Beispiel auf die Erhöhung der Studiengebühren.

Was treibt Dich als Präsident des VSETH an? Was ist Deine Motivation?

Ich bin über den Fachverein in den VSETH gekommen. Zuerst habe ich eher Events organisiert und weniger mit Hochschulpolitik zu tun gehabt. Da war es das Umfeld, das mir Spass bereitet hat. Aus dieser Motivation, etwas für die Studierenden zu tun, bin ich dann in den VSETH gegangen. Während meines Jahres als Präsident, hat sich der Fokus etwas verschoben. Ich sehe jetzt mehr, was man alles ändern kann, wie wichtig unsere Vertretung ist.

Wie betrachtest Du das Resultat der Erhöhung der Studiengebühren an der ETH?

Grundsätzlich sind wir gegen jegliche Erhöhung der Studiengebühren. Dabei ist der Betrag, um den sie erhöht werden, egal: Unsere Argumente bleiben auch bei einer Erhöhung um dreihundert Franken bestehen. Es bleibt dabei, dass die Finanzierung für Studierende eine schwierige Sache ist, besonders für jene, die aus bildungsferneren oder weniger finanzstarken Familien kommen. Deshalb ist diese Erhöhung um dreihundert Franken ein Schritt in die vollkommen falsche Richtung. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass es ein kleiner Betrag ist und ich bin ein bisschen stolz auf den VSETH, dass wir etwas erreicht haben.

Wie wird sich der VSETH für die Studierenden einsetzen, für die zusätzliche dreihundert Franken eine finanzielle Belastung sind?

Es gibt jetzt eine Arbeitsgruppe zusammen mit den Leuten der ETH, wo wir uns einbringen können und zusammen nach Lösungen suchen, wie die Stipendien an der ETH angepasst werden können. Momentan sind wir noch sehr zuversichtlich, dass sich die ETH da gut für die Studierenden einsetzen wird.

Der VSETH ist ein zivilrechtlicher Verein: Was bedeutet das?

Der VSETH ist als Verein organisiert und steht rechtlich gesehen auf derselben Stufe wie der lokale Fussballverein. Es gibt einen Rahmenvertrag mit der ETH, die den VSETH als die einzige Vertretung der Studierenden anerkennt. An der Universität Zürich ist das etwas anders: Dort ist der VSUZH als Körperschaft organisiert. Das hat zur Folge, dass der Kantonsrat mehr Kontrolle über ihn ausüben kann als bei uns. Wir sind wirklich unabhängig. Nur wir können im Namen der Studierenden Vertretungen wahrnehmen.

Warum ist es dann trotzdem so schwierig, die Interessen der Studierenden umzusetzen, etwa bei der Erhöhung der Studiengebühren? Was sind die Herausforderungen?

Ein gewichtiger Grund ist, dass die Gebührerhöhungen nicht eine Entscheidung der Hochschule, sondern eine Entscheidung des ETH-Rats war. Der ETH-Rat ist das Steuerungsgremium aller Institutionen im ETH-Bereich, dem auch die EPFL, das PSI und weitere Forschungsinstitutionen angehören. Da treffen verschiedene Interessen aufeinander. Diese führen dazu, dass der ETH-Rat eine andere Sicht auf die Dinge hat als wir Studierenden. Im Endeffekt ist es so, dass der ETH-Rat entscheidet, wir haben bloss ein Mitspracherecht.

An welchen Projekten arbeitet der VSETH momentan?

Wir wollen uns jetzt, da die Studiengebühren durch sind, stärker mit Stipendien beschäftigen. Dann wollen wir uns verstärkt für die Chancengleichheit der Studierenden einsetzen. Wir werden zwei Ansprechpersonen innerhalb des VSETH beschäftigen, die den Studierenden bei Fragen oder Problemen mit Chancengleichheit, Mobbing und anderen Themen zur Verfügung stehen. Ein drittes Thema betrifft die IT-Infrastruktur: Wir wollen unseren Freiwilligen bessere Arbeitsbedingungen gewährleisten. Heutzutage sind alle auf gute IT-Lösungen angewiesen. Ziel ist es, dass der VSETH in Zukunft IT-Lösungen für alle studentischen Organisationen anbietet.

Dein Mandat geht im Herbst zu Ende. Was möchtest du den Studierenden mit auf den Weg geben?

Ich finde es extrem wichtig, dass wir als Studierende uns an der Hochschule für eine Verbesserung des Studiums einsetzen. Noch gibt es viele Baustellen: Diese können wir nur angehen, wenn sich Leute engagieren. Wenn man nur als Konsument durch die Uni geht und sich nicht damit auseinandersetzt, wie man etwas verbessern kann, dann wird es leider keine Veränderung geben.

Lukas Reichart studiert Informatik an der ETH Zürich. Im Herbst 2017 hat er das Präsidium des VSETH übernommen, womit er nicht nur der ältesten in der Schweiz noch bestehenden, sondern auch der einflussreichsten Studierendenvertretung vorsteht. Nationale Bekanntheit erlangte er durch seinen Einsatz gegen die Gebührenerhöhung an der ETH. Per Ende 2018 wird er sein Amt weitergeben.

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