Wort für Wort

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Können religiöse Texte übersetzt werden?

Die Frage nach einer gelungenen Übersetzung beschäftigt nicht nur Synchronstudios, Verlage und Fans amerikanischer Serien, sondern auch Theologinnen. Christiane Tietz, Professorin für systematische Theologie an der Uni Zürich, hat sich des Themas im Hinblick auf religiöse Texte angenommen. Den Sammelband «Translating Religion. What is Lost and Gained?» gab sie mit Professor Michael DeJonge von der University of South Florida heraus.

Untersucht werden in insgesamt acht Essays nicht nur Übersetzungen von einer Sprache in eine andere, sondern auch Übersetzungen von der religiösen in die säkulare Sphäre, von einer Religion in eine andere und vom Damals ins Heute: Ein Text widmet sich etwa der Frage, ob «Allah» gleichbedeutend mit «Gott» verwendet werden kann.

Tietz untersucht in ihrem Essay die Vorschläge des Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas zur Übersetzung des Religiösen. Ein Problem der Thematik bestehe darin, dass «der Religionsbegriff notorisch unscharf» sei; die Einteilung von Texten in die Kategorien «religiös» und «säkular» gestalte sich deshalb bislang äusserst schwierig.

Die Erkenntnis der Arbeit ist auf den ersten Blick wenig überraschend: Ob bei der Übersetzung etwas gewonnen wurde oder verloren ging, hänge stark von der Wahrnehmung der Beobachterin ab. Die Geschichte jeder Religion macht deutlich: Religiöse Texte sind mit dem kulturellen Kontext ihrer Zeit und ihres Orts verflochten, sodass keine Übersetzung ohne Aussageverlust möglich ist. Doch können religiöse Texte in einem neuen Umfeld auch zusätzliche Bedeutungen gewinnen. Dies zeigt etwa die Tatsache, dass oft verschiedene Bibelübersetzungen in der gleichen Sprache existieren.

In der Ausgabe #3/19 wird durchgehend das generische Femininum verwendet. Anlass ist der nationale Frauenstreik vom 14. Juni, der Thema dieser Ausgabe ist.

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