ZS #1/12

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«ECTS-Punkte-Sammeln war noch nie so einfach» – damit wirbt im Moment NZZ-Campus. Und damit hat das Magazin Recht. Im ulkigen Online-Spiel, in dem man mit einer Figur durch Uniräumlichkeiten rennt und ECTS-Punkte sammeln muss, ohne von anderen Studierenden umgerannt zu werden. Dümmer gehts nicht – und dennoch passt es zum Sammeln dieser Punkte. Blind für die Materie rennen die meisten Studierenden den Punkten hinterher und buchen Module, bei denen es am einfachsten ist, solche Punkte zu sammeln. Die Musse geht beim Studieren komplett verloren.

«Sie, ist das prüfungsrelevant?» Das klingt nach Gymnasium, ist heute aber eine der meistgestellten Fragen in den Vorlesungssälen. Wenn etwas nicht prüfungsrelevant ist, gibt es dafür auch keine Punkte und es ist wertlos. Tatsächlich muss man nur die richtigen Tricks kennen, und man rennt ganz gut durch die Uni von Punkt zu Punkt, von Bachelor zu Master. Ganz wie im tollen NZZ-Campus- Game.

Dem Präsidenten der Schweizerischen Rektorenkonferenz Antonio Loprieno (siehe Seiten 24–27) geht das zu einfach. Er möchte weitere Hürden einbauen. Einen Master soll nur noch machen, wer sich dafür qualifiziert. Für die Qualifikation gibt es weitere Richtlinien. Man muss sich noch mehr in Acht nehmen, von den Kommilitonen nicht über den Haufen gerannt zu werden. Die Freude am Studieren und am Wissen kommt damit kaum mehr zurück.

Obwohl NZZ-Campus verspricht, dass das Game nur vier Minuten dauert, habe ich mein NZZ-Campus-Diplom nicht geschafft. Ich habe es nach einer Minute abgebrochen. Stumpfes Punktesammeln macht keinen Spass.

Corsin Zander, Redaktionsleiter und nach acht Semestern noch ohne Bachelor

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