Dieter Sinniger bedankt sich nach gelungener Aufführung bei der Opernsängerin Mona Somm (Bild: Noemi Ehrat).

Zukunftswerkstatt für Kulturschaffende

in Campus von

Der Kulturmarkt in Wiedikon hilft arbeitslosen Künstlern und Künstlerinnen, Arbeit zu finden. Das schweizweit einzigartige Projekt zieht Kunstschaffende aus dem ganzen Land an.

Eine Frau schreitet selbstsicher auf die Bühne des Restaurant im Kulturmarkt in Wiedikon. Sie heisst Mona Somm. Einst war sie Opernsängerin, jetzt ist sie arbeitslos. Und so steht sie auch nicht auf der Bühne, um zu singen, sondern um den nächsten Programmpunkt anzukündigen: nämlich eine Gruppe von Jodel-Swing-Musikern.

Die Aufführung gehört zur Reihe «Kunststücke über Mittag», die vor drei Wochen ins Leben gerufen wurde. Initiiert hat sie Somm selbst. Sie ist eine von 42 Künstlerinnen und Künstlern, die im Kulturmarkt ein Programm durchlaufen, in der Hoffnung, eine bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten. «Die Darbietungen sollen Inspiration für das Publikum und gleichzeitig eine bezaubernde Plattform für Kulturarbeitende sein», sagt Somm. Mitgemacht haben neben den Kunstschaffenden auch Angestellte des Kulturmarktes – vom Küchen- bis Technikpersonal.

«Kunststücke über Mittag» locken viele Zuschauerinnen und Zuschauer an (Bild: Noemi Ehrat).

Einzigartiges Angebot

«Der Kulturmarkt ist ein Veranstaltungshaus mit Restaurant im höchstlebendigen Kreis 3, das Stellensuchenden aus verschiedenen Branchen den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt ermöglichen soll», sagt Geschäftsleiter Dieter Sinniger. Die Stellensuchenden kommen aus unterschiedlichen Branchen. Die grösste Gruppe bilden die Künstler und Künstlerinnen. «Arbeitslosigkeit gehört zum Beruf der Kulturschaffenden», so Sinniger. «Dadurch, dass viele Künstlerinnen und Künstler von Projekt zu Projekt arbeiten, kommt es immer wieder zu Unterbrüchen.» Die Kulturschaffenden müssten lernen, mit Arbeitslosigkeit umzugehen und die Situation gelassen zu nehmen.

Das ist keine leichte Aufgabe, denn oft hadern die Künstlerinnen und Künstler neben finanziellen Schwierigkeiten auch mit sich selbst. «Als Kulturschaffende ist man oft einsam und beginnt seine eigene Arbeit anzuzweifeln», sagt Somm. Aufgrund des ständigen Konkurrenzkampfes und den wenigen Angeboten für Kulturarbeitende sei es manchmal schwierig, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Wer Glück hat, findet beim Kulturmarkt Platz und kann eine neue Bewerbungsmappe erstellen. Dafür nehmen viele Kulturschaffende einen weiten Weg auf sich. Der Kulturmarkt in Wiedikon ist einzigartig in der Schweiz.

Der Kulturmarkt beherbergt zugleich auch ein Restaurant (Bild: Noemi Ehrat).

Keine Garantie auf Arbeit

Aufgenommen werden aber nur jene Kunstschaffende, die beim regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) gemeldet sind. Die Krux dabei ist, dass viele Künstlerinnen und Künstler die nötigen Papiere, insbesondere Anstellungsverfügungen, nicht vorweisen können. Dem will der Kulturmarkt entgegenwirken. «Es ist sozusagen eine Zukunftswerkstatt», sagt Sinniger. Hier könnten sich die Mitarbeitenden auf ihre Zukunft nach dem Kulturmarkt vorbereiten. Der im Zwinglihaus eingemietete, unabhängige Verein ist aber einem Spagat zwischen ökonomischen und künstlerischen Fragen ausgesetzt. Viele Kulturarbeitende finden auch nach dem sechsmonatigen Aufenthalt im Kulturmarkt keine feste Stelle. Dafür schöpfen die Kulturschaffenden durch die vielen neuen Kontakte neue Motivation, Inspiration und Energie. «Ich habe da schon ein nächstes, nicht unbescheidenes Projekt im Kopf», sagt Somm. Mehr verrät sie noch nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Nicht unterzukriegen

Die Schweiz bereitet sich auf den zweiten nationalen Frauenstreik vor. Auch Frauen

Note: ungenügend

Die Uni Zürich hinkt bei der Gleichstellung hinterher. Dabei hätte sie eine
Gehe nach Oben