Adler und Kreuz vereint: Filmstill aus "Zvicra". (Bild: Visceral Films)

Zwischen Kreuz und Adler

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Die albanische Community ist in der Schweiz mit rund 300’000 Menschen vertreten. Ereignisse wie die Doppeladler-Affäre lassen immer wieder Diskussionen bezüglich der Integration der Albaner und Albanerinnen aufkommen. Der Film «Zvicra» zeigt die Komplexität der Identitätsfrage einer Gruppe auf, die sich momentan im Prozess der Integration und Akzeptanz in der Schweiz befindet.

«Ich fühle mich vor allem im Flugzeug, wenn ich genau dazwischen bin, zu Hause. Hier bin ich eine Albanerin und dort bin ich eine Schweizerin». Diese Identitätsfrage von Schweizer*innen mit albanischem Migrationshintergrund, sei es der ersten oder der zweiten Generation, wird im Film «Zvicra» thematisiert. Zvicra ist das albanische Wort für Schweiz. Der Dokumentarfilm von Fisnik Maxhuni und Benoît Goncerut porträtiert acht individuelle Geschichten von Albaner*innen in der Romandie. Laut den Regisseuren war bei der Selektion der Protagonist*innen ihre Zugänglichkeit und Authentizität von äusserster Wichtigkeit. Dies spiegelt sich in deren Tätigkeiten wieder: Perspektiven von Fischern, Fussballern, Gymnasiasten*innen, einer Hausfrau und einem Unternehmer fliessen im Film zusammen.

Zwei Pässe – zwei Identitäten? (Bild: Visceral Films)

Differenzierter Blick

Auf Französisch erzählen die Befragten von verschiedensten Situationen und Anekdoten aus ihrem Leben – aber auch mögliche Zukunftsszenarien werden diskutiert. Die Antworten der Protagonist*innen werden entweder als Interview präsentiert oder als Off-Stimme auf Bilder überlagert, die die Romandie oder die Person in ihrem Alltag zeigen. Natürlich gibt es unter den Darstellenden keinen Konsens, der alle Albaner*innen repräsentiert, die in der schweizerischen Diaspora leben. Das ist auch nicht das Ziel der Filmemacher Maxhuni und Goncerut. Denn jede und jeder der Protagonist*innen hat einen anderen Zugang zu Themen wie Akzeptanz in der Gesellschaft, Doppelbürgerschaft, Diskriminierung im Alltag und den Einflüssen des Heimatlandes und der Heimkultur. «Zvicra» überzeugt vor allem in diesem Punkt und ermöglicht dem Publikum eine sehr private und intime Seite der Figuren kennenzulernen. Ferner war im Kinosaal insbesondere die positive Resonanz der Landsleute spürbar, die sich mit vielen Aussagen der Porträtierten identifizieren konnten. Wie zum Beispiel zu Meinungen, wer im Europameisterschaftsspiel zwischen Albanien und der Schweiz im 2016 gewinne, und für wen man die Daumen drücke.

In „Zvicra“ kommen verschiedene Protagonist*innen zu Wort. (Bild: Visceral Films)

Allerdings weist Maxhunis und Gonceruts Werk auf technischer Ebene Unzulänglichkeiten auf. Es fehlt eine Konstanz und Kohärenz in Ton, Licht und Bild, da auch schon minime Veränderungen zu störenden oder ablenkenden Momenten führen können. Ein Grossteil des assortierten Bildmaterials zwischen den Interviews, welches mit kurzen Filmsequenzen des alltäglichen Lebens die Westschweiz und ihre Bewohner*innen kontextualisieren sollte, fiel eher durch Beliebigkeit auf. Somit kann man einige solcher Stellen als eher irrelevantes Füllmaterial bezeichnen, welche den Film weder voranbringen noch unterstützen.

Keine Stereotypen

Der Blick der Protagonist*innen auf die Beziehung zwischen Schweizer*innen und Albaner*innen gegen Ende des Films ist sehr optimistisch und untergräbt den aktuellen eher negativ geprägten Diskurs rund um die Fragen: Was bist du denn eigentlich? Woher bist du ursprünglich? Bist du mehr schweizerisch oder albanisch? Des Weiteren wird mit der Idee gespielt, dass sich in Zukunft die Definition von Schweizer*innen öffnen könnte, um so auch die «neuen» Schweizer*innen mit Migrationshintergrund von Anfang an miteinzubeziehen. Mit «Zvicra» ist es Maxhuni und Goncerut gelungen, einen Grundstein für einen Diskurs zu legen – und zwar losgelöst von dem stereotypisierten Bild der Albaner*innen in der Diaspora.

Während der Film «Zvicra» bereits in der Romandie sowie im Kosovo und Albanien gezeigt wurde, ist aktuell noch kein Kinostart für die Deutschschweiz bekannt.

Was die Zukunft wohl bringen mag? (Bild: Visceral Films)

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