Illustration: Sumanie Gächter

Kolumne: Laura Chresta

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11, 17, 29 — Ich kann ungerade Zahlen nicht leiden. Weckzeiten wie 07:21 oder 08:47 lassen mich gar nicht erst einschlafen, Lautstärke 7 oder 9 beim Radio krümmen mir trotz geringem Lärmpegel schmerzhaft die Ohrhärchen. Es schien mir lange selbstverständlich, dass es vielen anderen genauso geht und dies bestimmt auf irgendein psychologisches Phänomen zurückzuführen ist. Ich begab mich also auf Recherche und stiess auf Pythagoras’ absurde Theorien: Gerade Zahlen werden dort der Finsternis und dem Bösen zugeordnet, die ungeraden hingegen werden mit Licht in Verbindung gebracht und als «gut» bezeichnet. Na ja, er praktizierte auch irgendeine esoterische Geheimlehre, vielleicht inhalierte er einfach zu viele mysteriöse Dämpfe. Doch auch im Verkauf existiert ein ungeschriebenes Gesetz: Ungerade Zahlen kommen bei Kund*innen besser an als gerade Zahlen. 13.95 statt 14.00 Franken – meine Augen brennen. Die sogenannte 3-5-7-Regel ist in Beratungsagenturen omnipräsent: Konzepte, die Klient*innen präsentiert werden, sollen sich in 3, 5 oder 7 Einzelaspekte gliedern lassen. Zu allem Übel beherrschen die ungeraden Zahlen auch den Journalismus: Onlineartikel mit ungeraden Zahlen in der Überschrift werden nämlich im Schnitt öfters angeklickt als solche mit geraden Zahlen. Und da die ZS auch online erscheint und ich ein Opfer des Mainstreams bin, beuge ich mich dieser unsäglichen Erscheinung und beschere mir mit diesem Text freiwillig schlaflose Nächte. Über Vorschläge für Rezepturen und Tipps zu Inhalationsmöglichkeiten flüchtiger Stoffe würde ich mich sehr freuen.

 

Selbstreflexion aus dem Alltag von unserer Kolumnistin Laura Chresta

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