Die Grossbank und die Hochschule pflegen ein gutes Verhältnis. (Collage: Sumanie Gächter)

25 Millionen für die Uni

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Die Liebesgeschichte zwischen UZH und UBS geht weiter. Was bisher geschah.

Im April 2012 gab die Uni Zürich bekannt, eine Spende über 100 Millionen Franken von der UBS anzunehmen. Dies führte zu Protesten von Studierenden, die diese Spende als Verkauf der staatlichen Universität an die Grossbank anprangerten. Auch namhafte Universitätsprofessor*innen plädierten im «Zürcher Appell» für die Unabhängigkeit der öffentlichen Universität. Die Uni wollte den Vertrag nicht offenlegen, wurde dann aber dazu gezwungen. Obwohl die akademische Freiheit im Vertrag explizit festgehalten wurde, verstummte die Kritik nicht. Im Juli 2020 erklärte die Uni schliesslich, dass die UBS «ihr Engagement» mit weiteren 25 Millionen Schweizer Franken für die nächsten zehn Jahre weiterführen würde. Wie ist diese Entwicklung zu deuten?

Zweifel an der Unabhängigkeit

Die erste Spende der UBS führte zur Gründung des «UBS Center for Economics in Society», welches die Sonderstellung eines assoziierten Instituts der Wirtschaftsfakultät geniesst. «Das UBS Center hat zwei Aufgaben», erklärt Geschäftsführer Matthias Ammann, «die Förderung wissenschaftlicher Exzellenz auf allen Niveaus durch die Schaffung zusätzlicher Lehrstühle oder die Vergabe von Stipendien, und das Etablieren einer Plattform, um Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.» Die Spende von 2012 führte konkret zur Einrichtung von fünf Stiftungsprofessuren und einer «Graduate School of Economics» für Doktorierende. Durch die frischen 25 Millionen soll unter anderem eine zusätzliche Stiftungsprofessur entstehen.

Das Sonderinstitut steht unter dem Dach der Stiftung «UBS Foundation of Economics in Society». Der Stiftungsrat übernimmt die Finanzierung und Überwachung des UBS Centers und wird vom Altbundesrat und ehemaligen Verwaltungsratspräsident der UBS Kaspar Villiger präsidiert. Ausserdem sind drei Kaderleute der Grossbank und zwei Professoren im Rat vertreten. Einer hält eine Stiftungsprofessur inne, der andere ist gleichzeitig Direktor des UBS Centers. Diese Zusammensetzung lässt an der Unabhängigkeit des Stiftungsrates zweifeln.

Suspektes Branding

Das UBS Center veröffentlicht Publikationen zu Themen wie der Einkommensverteilung in der Schweiz. Auf dem Titelblatt ist stets sowohl das Logo der Uni Zürich als auch das der UBS abgebildet. «Branding», nennt dies die Professorin Ursula Pia Jauch, eine der Initiant*innen des «Zürcher Appells». «Ein Paper, egal zu welchem Thema, verliert für mich und viele andere an Glaubwürdigkeit, wenn einem als erstes das Logo des UBS Centers ins Auge springt.» Als Kulturinstitution lebe auch die Universität vom Mäzenatentum, meint Jauch. Doch wenn ein Mäzen oder eine Mäzenin beispielsweise eine Stradivari-Geige finanziert, wird der Name auch nicht auf der Geige eingebrannt: «Die Geige wäre danach kaputt und die hohe Geste des zweckfreien Schenkens ruiniert», sagt Pia Jauch.

Wenige Tage vor Bekanntgabe der ersten UBS-Spende 2012 präsentierte die Uni die «UZH Foundation». Die Stiftung brachte im Jahr 2019 rund 323 Millionen Franken für die Universität ein. Solche Drittmittel ergänzten die staatliche Grundfinanzierung der Universität Zürich und «sind – gerade auch angesichts der Budgetkürzungen, die der Kantonsrat vor kurzem beschlossen hat – ein wichtiger und willkommener Beitrag für die Forschung», erklärt die Uni auf Anfrage. Doch die UBS förderte die Uni erneut über ihre eigene Stiftung und nicht etwa über die UZH Foundation.

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