Wir sind alle Sternenstaub (Bild: buch.ch)

Wir alle sind Sternenstaub

von

Eva Moser

Ich weiss etwas, das du nicht weisst – oder dir zumindest bis zum heutigen Tag nicht bewusst warst, wie phantastisch es ist, sich darüber Gedanken zu machen: Was ist eigentlich Glück? Weshalb ist Empathie nützlich? Was verbirgt sich hinter Phantomschmerzen? Beim Lesen dieses Buches be­schleicht einen das wohlig-aufregende Gefühl, Zeile für Zeile tiefer in die Welt der grossen Fragen um die menschliche Existenz vorzudringen. Es ist wundervoll, sich auf diese Weise von der Neugierde von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt anstecken zu lassen.

Der Autor Stefan Klein ist Wissenschaftsjournalist und hat Auszüge aus mehrstündigen Interviews mit führen­den Wissenschaftlern aus den verschiedensten Disziplinen in Buchform veröffentlicht. Es sind Gespräche mit leidenschaftlich wissensdurstigen Menschen, die von ihrer gegenwartsrelevanten Forschung und ihren Erkenntnissen berichten. Aber nicht ihr blosses Wirken in akademischen Sphären steht im Zentrum, sondern auch der Forschende als Mensch mit seiner persönlichen Lebensgeschichte schim­mert immer wieder durch. Und so kommt es, dass man als Leser Sympathien entwickelt, für die einen mehr als für die andern.

Da ist etwa die heldenhafte Geschichte des Biochemikers Craig Venter, bekannt geworden mit der Sequenzierung und Publikation seines gesamten Genoms, der während des Surfens vor der viet­namesischen Küste eine angreifende, giftige Seeschlange durch vier Meter hohe Wellen befördert und an Land erlegt haben will. Die Unterstellung von leichter Selbstüberschätzung und das Abtun als selbstdarstellerischer Angeber scheint hier nicht allzu weit her geholt – doch sind es genau solche Regungen, welche die Neugierde im Leser nährt. Hinter jedem Interview verbirgt sich eine Person, deren fachliche Spezialisierung sowie das jeweils abgedruckte Foto einen erwartungsvoll spekulieren lassen, wie sie wohl sein mag, was sie interessiert, welche bahnbrechenden Erkenntnisse ihr zu verdanken sind. Und so wird das Lesen des Buches zum spielerischen Personenraten.

Das Buch gibt einige Antworten und wirft noch mehr Fragen auf. Nach Beendigung der Lektüre fühlt man sich in seinem Dasein als Mensch verlorener als zuvor, wird einem die Vielzahl an ungeklärten Rätseln und Geheimnissen unseres Alltags erst richtig bewusst. Und für einen kleinen Augenblick fragt man sich, wie Milliarden Menschen in einer nebligen Wolke aus Unwissenheit über ihr eigenes Wesen auf der Erde zu Recht kommen können.

Autor: Stefan Klein

Seitenzahl: 269

Erscheinungsdatum: 2010

Für wen: Trotz oder gerade wegen der zahlreichen offenen Fragen ein Buch für jeden neugieren, besserwisserisch veranlagten Warum-Frager, der sich der Herausforderung des Nichtwissens stellen will. Setz dich auf Zürichs Lindenhof, beobachte die Menschen wie sie flanieren und verweilen, wie sie biertrinkend Schach spielen, verliebt auf den Parkbänken turteln, im Anzug ein Sandwich verdrücken oder ihre Kinder weiden lassen und geniess das Gefühl, unbeobachtet den Geheimnissen des Menschseins auf der Spur zu sein.

 

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