Ein alter Drucker übersäht den Ausstellungsraum mit Flugblättern. (Bild: Lukas Bösch)

Als die Jugend aufbegehrte

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Ausstellung — Schlichte, etwas klapprige Holzstelzen füllen den ganzen Raum. Auf ihnen sind in kleinen Formaten zahlreiche Fotografien angebracht: Die Motive sind vielfältig und berichten, jedes auf seine Weise, von 1980, als die Jugend aufbegehrte und gegen das beengende Klima im «bünzligen» Zürich rebellierte. Die Fotografin Gertrud Vogler hielt den Zeigeist fest. Der Fokus ihrer Fotos, die in einer zweiteiligen Ausstellung im Zentrum für Architektur gezeigt werden, ist immer derselbe: In jeder Szene geht es um die Menschen und deren Stadt. Zürich dient als Kulisse und ist erstaunlich vertraut, wenn auch chaotischer und vollgesprayter. Auf einer Vollversammlung beim Platzspitz fängt Vogler die Mimik eines älteren, bärtigen Mannes ein, der gerade eine Rede hält. Rundherum stehen andere Demonstrant*innen, die seinen Worten gebannt lauschen: völlig selbstvergessen.

Geschichtliche Anekdoten ergänzen das Visuelle. Die Revolten und Demonstrationen waren nicht nur Ausdruck einer gelangweilten Jugend, die sich mehr Freiräume und ein urbanes Leben wünschte, wie dies von bürgerlicher Seite oft behauptet wurde. Hinter den Unruhen steckte weit mehr: der Unmut gegenüber einem ganzen Gesellschaftssystem. «Macht aus dem Staat Gurkensalat», forderte die Jugend. Denn der Staat schien blind zu sein für zahlreiche Probleme wie die Wohnungsnot oder den grassierenden Drogenkonsum. Wie sich die Aktivist*innen Gehör verschafften, erfährt man sodann im zweiten Teil der Ausstellung, der der «Sprache der Bewegung» gewidmet ist. Gezeigt werden Tonaufnahmen, Musik, Zeitschriften und Flugblätter der Bewegten. Das Herzstück bildet ein Raum mit einem alten Drucker in der Mitte, der Boden ist vollständig mit Flugblättern bedeckt. An den Wänden kleben Parolen.

«Zürich 1980» ist eine vielseitige Ausstellung, die zahlreiche Fragen aufzuwerfen vermag. Was bleibt übrig von der Bewegung? Und ist Zürich heute wirklich so frei, wie wir glauben? Eine Antwort findet sich nur schwer, es bietet sich aber eine gute Gelegenheit, über Zürich und die Menschen von damals und heute nachzudenken.

«Zürich 1980. Bewegter Alltag» ist bis am 17. Januar im Zentrum Architektur Zürich zu sehen.

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