Holz ist nicht nur Thema, sondern auch das bevorzugte Ausstellungsmaterial von Formantasma. Bild: Debora Federer

Holz ist nicht nur Thema, sondern auch das bevorzugte Ausstellungsmaterial von Formantasma. Bild: Debora Federer

Von sprechenden Bäumen und der Holzindustrie

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Ausstellung – Holz ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken von alltäglichen Tritthockern aus der Ikea bis hin zu Musikinstrumenten. Auf den ersten Blick scheint Holz nachhaltig, da es bei seiner Herstellung Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entfernt, statt es zu verursachen. Doch Formafantasma wirft in seiner Ausstellung «Formafantasma: Cambio – Baum, Holz, Mensch» einen kritischen Blick auf die Holzindustrie. Das Designerduo aus Mailand untersucht die ökologischen, historischen, politischen und sozialen Kräfte, welche das heutige Design beeinflussen.

Bereits wenn man den Ausstellungraum betritt, schlägt einem der Duft von Holz entgegen. An den Wänden befinden sich verschiedenste Holzarten und Gegenstände, welche daraus hergestellt wurden. Im Fokus steht einerseits die Herkunft des Holzes, die Frage, woher die Papierblätter der Bücher stammen – und die erschreckende Einsicht, dass ein ausgestellter Pinsel aus einer geschützten Holzart besteht. Andererseits zeigt die Ausstellung gegenwärtige Rechtslage und die Zukunft der Holzindustrie.

Das Herzstück der Ausstellung ist die Leinwand in der Mitte des Raums, auf der ein Film abgespielt und zugleich einem Baum eine Stimme verliehen wird. Es wird die berührende Sichtweise eines Baumes erzählt, welcher mit uns spricht. Er erzählt, wie er und seine «Artgenossen» uns überdauern, sich für unseren Wohlstand und unsere Industrie aufopfern und wie wir ohne sie nicht überleben könnten.

In vier weiteren Filmen, vom «Daumenkino-Animationsfilm» bis zu Aufnahmen eines Waldes, wird von Problematiken der Holzindustrie erzählt. Aufgrund der hohen Nachfrage boomt auch das illegale Abfällen von Bäumen, welches laut einer Studie von Interpol 15 bis 30 Prozent aller Bäume im Welthandel betrifft. Während dem Film kann man sich auf Holzstühle oder -bänke setzen, welche nicht nur als Sitzgelegenheit dienen, sondern zugleich als Ausstellungobjekt. Dies macht einem einmal mehr bewusst, wie omnipräsent Holzgegenstände und somit auch die Holzindustrie in unserem Alltag sind, obwohl wir uns dessen kaum bewusst sind. Formafantasma macht genau darauf aufmerksam und zeigt, dass wir den Bestand von Holz nicht als selbstverständlich ansehen sollten.

Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit den Serpentine Galleries in London präsentiert und ist in Zürich mit zusätzlichen Exponaten aus der Region ergänzt worden. Formafantasma kann bis am 8. Mai 2022 im Museum für Gestaltung auf dem Toni-Areal besucht werden.

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