Bild: Marin Stojanovic

Die brutale Welt der Betonburgen

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Plattenbauten haben einen schlechten Ruf. Ein Appell für ein Comeback.

«Es ist uns zu Ohren gekommen, dass die Neu-Belgrader*innen vier von ihren Hochhäusern als ‹Die vier Idioten› bezeichneten. Während wir uns umsehen, können wir sie nicht identifizieren. Für uns kämen alle in Frage.» Mit diesen Worten fasste der Schriftsteller Dušan Duško Radovic die «Gleichmacherei» der Bauplanung in Neu-Belgrad zusammen, die Betondschungel, die man stark mit Städten aus den Ländern des Warschauer Pakts assoziiert. Doch kann man die gleichen vorangefertigten Fassaden in den Trabantenstädten oder in den Banlieues sehen. Auch in Zürich sind die brutalen Monumente überall: vom gentrifizierten Lochergut über Grünau bis zum Corbusier-inspirierten Unter-Affoltern. Während die Plattenbauten im Westen stark als «Problemviertel» behandelt wurden, wurden sie im Osten als Errungenschaft des Sozialismus gefeiert. Das Leben in den Neubauten ist nicht luxuriös. Aber es ist eine effektive Art, alle mit Wohnungen zu versorgen – besser, als obdachlos zu sein. Heute, wo neue Apartments in der Europaallee für enorme Summen verkauft werden, fehlt es in Zürich an bezahlbarem Wohnraum. Zeit, dass die Arbeiterschliessfächer ein Comeback erleben.

1 Comment

  1. Naja, hier wird schon etwas überromantisiert. Wohne gerade (zugegeben: zum ersten Mal in meinem Leben) in einem solchen Exemplar im Osten Berlins und finde es… mässig. Nicht jetzt zwingend das Wohnen in einem spezifischen Block, aber diese grösseren Überbauungen. Diese absolute Gleichmacherei, fehlende Individualität dann auch im öffentlichen Raum, keine Aufenthaltsqualität Beton und Verödung. Freue mich direkt wieder auf die Europaallee.

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