Ziel der Stipendien ist, einen nachhaltigen Schaden der Kunstszene zu verhindern. (Illustration: Sumanie Gächter)

Die Stadt hält ihre Kunst über Wasser

von

Die Stipendien der Stadt Zürich sollen Künstler*innen in der Pandemie Luft verschaffen.

Bekanntermassen leiden Künstler*innen besonders stark unter den Folgen der Corona-Pandemie: Projekte müssen abgesagt werden, wichtige Einnahmequellen brechen weg, das Geld wird knapp. Der Bund und die Kantone haben dafür verschiedene Massnahmen ergriffen, um den Kultursektor am Leben zu erhalten. Von diesen Beiträgen ausgeschlossen waren dabei häufig individuelle Kunstschaffende, die keinen Status als Selbstständig-erwerbende ausweisen konnten.

Hilfe für Kunstschaffende

Diese Lücke will die Stadt Zürich für die hier ansässigen Kulturschaffenden neu mit dem «Arbeitsstipendium Covid-19» füllen, dessen Hilfsbeiträge nun Ende März ausbezahlt wurden. «Das Ziel der Arbeitsstipendien ist das Abmildern eines nachhaltigen Schadens, der in dieser freien Kulturszene, die für Zürich sehr wichtig ist, durch die Pandemie angerichtet wird», erklärt Corine Mauch, Stadtpräsidentin von Zürich, im Gespräch.

Geplant war bei der Lancierung des Unterstützungsprojekts Ende 2020, 2,5 Millionen Franken, ein Viertel des gesamten Jahresbudgets für Kulturhilfen, zu vergeben – und zwar für freie Kunstschaffende aus den Sparten «Tanz und Theater», «Bildende Kunst», «Literatur», «Jazz Rock Pop» und «E-Musik». Doch die Stadt hat viel mehr Post erhalten als erwartet: «Es waren 980 Gesuche in einer Gesamtsumme von fast 10 Millionen Franken», so die Stadtpräsidentin. Deshalb entschied die Stadt Ende März kurzerhand, den Geldhahn weiter aufzudrehen. Weitere fünf Millionen Franken wurden freigegeben.

Denn man wolle möglichst viele freie Künstler*innen und Künstlerinnen unterstützen, so die Kulturbeauftragte Kathrin Frey, die die Umsetzung der Arbeitsstipendien geleitet hat. Die Krux bei dieser Grosszügigkeit: Die individuellen Stipendienbeiträge, die für vier, fünf oder sechs Monate beantragt werden konnten, erlitten dadurch eine Kürzung von 30 Prozent. Nur so habe man die Unterstützungsquote auf 73 Prozent erhöhen können, so Frey. «Die individuellen Kürzungen können auch als gegenseitiger Solidaritätsbeitrag gesehen werden.» Konkret bedeutet dies für jemanden, der  für sechs Monate Hilfsbeiträge beantragt hat, insgesamt einen Betrag von 8’400 anstelle von 12’000 Franken.

Stipendium allein reicht nicht

Nur damit über die Runden zu kommen, ist knapp.  Doch die Beiträge seien nicht als Entschädigung für Einnahmeausfälle zu verstehen, erklärt Frey. Vielmehr ginge es darum, den freien Kulturschaffenden zu ermöglichen, während der Pandemie ihre künstlerischen Vorhaben weiterzuverfolgen. Dafür ausgewählt wurden schlussendlich 680 Stipendiat*innen nach inhaltlichen Kriterien wie «künstlerischer Qualität». Diese können das Arbeitsstipendium gleichzeitig zu anderen behördlichen Unterstützungsbeiträgen beziehen. Weiter setzt «die Vergabe eines ‹Arbeitsstipendiums Covid-19› keinen Status als Selbständigerwerbende, die Mitglied einer Ausgleichskasse sind, voraus», wie die Stadt mitteilte. Damit wird eine wichtige Lücke zu den kantonalen Ausfallentschädigungen an Kulturschaffende geschlossen.

Das Arbeitsstipendium ist eine vorübergehende Hilfe für die Kunstschaffenden der Schweizer Kulturhauptstadt. Doch was, wenn die Pandemie anhält? «Wir sind immer so verfahren, dass wir die Entwicklung laufend genau beobachtet haben», so Stadtpräsidentin Mauch. Dies werde so beibehalten und – wenn nötig – neue Beschlüsse gefasst.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Erkrankte Kinos

Während Netflix boomt, haben es die Filmtheater schwerer denn je. Schaffen sie

Quo vadis, Irchel?

Die über vierzig Jahre alten Irchel-Gebäude benötigen eine grundlegende Erneuerung und Sanierung.
Gehe nach Oben