Die Uni wurde für ihre Offenheit gegenüber der LGBTI-Community ausgezeichnet. Foto: Wikimedia Commons, Collage: Sumanie Gächter

Die Uni lässt sich zertifizieren

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Eine NGO hat die Uni mit einem LGBTI-Label ausgezeichnet. Dafür hat die Zürcher Hochschule bezahlt.

Am 16. Juni dieses Jahres erhielt die Universität Zürich das Swiss LGBTI-Label. Dieses soll der Uni für die nächsten drei Jahre bescheinigen, eine Kultur der Offenheit, Inklusion und Wertschätzung gegenüber LGBTI-Menschen zu leben. Sie ist die erste Schweizer Hochschule, die diese Auszeichnung erhalten hat. Das Swiss LGBTI-Label wurde 2019 als Non- Profit-Organisation lanciert und ging aus «Network», dem Verein männlicher homosexueller Führungskräfte in der Schweiz, und «Wybernet», dem Pendant für lesbische und bisexuelle Führungskräfte, hervor. 41 Organisationen wurden bisher mit dem Label zertifiziert, darunter die Stadt Zürich, das USZ und Novartis.

«Pinkwashing»-Instrument?

Erst seit diesem Jahr werden auch Studierende im Beurteilungsprozess des Labels berücksichtigt.Das sei auch der Grund, warum sich die Uni Zürich erst jetzt um das Label bemüht hat, erklärt Christiane Löwe, Leiterin der Stelle für Gleichstellung und Diversität. Gemessen wird mittels Fragebogen, inwiefern eine Organisation eine inklusive und offene Kultur für die gesamte LGBTI-Community gewährleistet. Dieser Prozess funktioniert in erster Linie mittels Selbstdeklaration, also durch ein eigenständiges Ausfüllen des Fragebogens. Dies sieht Greg Zwygart, Schweizer Chefredaktor des LGBTI-Magazins «Mannschaft», als mögliche Schwachstelle des Labels. «Jedoch ist durch die beschränkte Gültigkeit von drei Jahren ein Schutz vor Betrug gegeben», meint er. Zudem müssen gewisse Punkte des Fragebogens mit Dokumenten belegt werden. Damit soll sichergestellt werden, nicht als «Pinkwashing»-Instrument benutzt zu werden.

«Positiv zu werten ist, dass sich Organisationen um ein solches Label überhaupt bemühen und auch dafür bezahlen », findet Greg Zwygart. Rund 2000 Franken hat das Label die Uni Zürich im Frühjahr gekostet. Am 1. Juni wurden die Kosten für grosse Organisationen sogar auf 3000 Franken angehoben. Dies sei aber eine sinnvolle Investition, so Löwe. Denn: «Neben seiner Auszeichnungsfunktion zeigt das Label auch Lücken und somit Handlungsfelder auf, an denen wir weiterarbeiten können.»

Die Anforderungen steigen

Grösseren Unternehmen, die sich um das Label bemühen, rät die Organisation, eine Anlaufstelle für LGBTIQ+-Anliegen zu schaffen. Dies erfüllt die Uni Zürich bereits mit der Stelle für Diversität und Gleichstellung. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Auszeichnung ist gemäss Löwe «die Organisation und Umsetzung von verschiedenen Workshops und Unterstützung bei vermuteter Diskriminierung ». Trotzdem besteht noch Aufholbedarf, auch an der Uni. Vonseiten der Studierenden, die sich im LGBTIBereich engagieren, hört man die Forderungen nach gender-neutraler Sprache und Unisex-Toiletten. Pilotprojekte für geschlechtsneutrale WCs, Duschen und Umkleidebereiche hat es bereits gegeben. Im neuen Forum UZH sind sie eingeplant.

Die Uni Zürich will sich in drei Jahren wieder um das Swiss LGBTI-Label bewerben. Ob sie es dann erneut erhält, ist nicht garantiert, denn die Anforderungen steigen. Sie muss nach drei Jahren nachweisen können, dass sie an ihrer Diversitätsund Integrationskultur gearbeitet hat. «Bislang musste mindestens ein Drittel der Punkte erreicht werden, um das Label zu erhalten», so Moreno della Picca, Leiter des Core-Team des LGBTI-Labels. Seit Mitte dieses Jahres müssten neu mindestens 50 Prozent erreicht werden. Dadurch werde ein Verbesserungsprozess erwartet, auch an der Uni Zürich.

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