Im Magazin Xerosoph.in geht's nicht nur ums Velofahren. (Bild: Lisa Horrer)

Ein Blatt für’s Zweirad

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Von der «Langen Nacht der Velosophie» zum ersten Magazin der Velocommunity. Bei xerosoph.in kann jede*r mitmachen und Beiträge einreichen.

An jedem letzten Freitag im Monat bewegt sich die «Critical Mass» auf dem Velo durch Zürich sowie weitere Städte im In- und Ausland. Sie entsteht durch die Teilnehmenden, die gemeinsam die «Critical Mass» bilden und sich wie ein durchgehendes Fahrzeug in den Strassenverkehr eingliedern. Auch verteilen die Teilnehmenden Flyer, tauschen diese untereinander aus und vernetzen sich mit anderen. Doch nicht nur auf der Strasse beleuchten Veloaktivist*innen Thematiken rund um das Velo, auch online ist die Community engagiert. Ob mit der Petition «Veloverlad», die z.B. mehr Platz für die Velomitnahme und eine Aufhebung der Reservationspflicht für die Zweiräder in ICs fordert oder mit der Volksinitiative «Sichere Velorouten für Zürich», Velofahrende bringen ihren Unmut und ihre Forderungen vermehrt zum Ausdruck. Mittlerweile gibt es aus der Community sogar ein Magazin, die xerosoph.in.

Im Herbst 2019 entschieden einige der Köpfe, die hinter der xerosoph.in stecken, die «Lange Nacht der Velosophie» zu initiieren; angelehnt an die «Lange Nacht der Philosophie», die im deutschsprachigen In- und Ausland jährlich stattfindet. Nach wenigen Wochen der Vorbereitung fand 2019 erstmals die «Lange Nacht der Velosophie» in Zürich statt. Referate und Diskussionen der Teilnehmenden aus der Critical Mass-Community beschäftigten sich mit verschiedenen Facetten des Velofahrens. Neben der Critical Mass thematisierten die Anwesenden mitunter den Einfluss des Velofahrens auf das Individuum und das Konzept der Xerokratie. Als sich abzeichnete, dass 2020 eine Wiederholung aufgrund der Corona-Massnahmen nicht möglich sein würde, entstand die Idee, stattdessen ein Magazin zu machen.

Mehr als nur Veloaktivismus

Mit der xerosoph.in gibt es seit dem Erscheinen der Erstausgabe Ende 2020 ein «autonomes, kritisches Magazin, inspiriert von und zu Veloaktivismus». Die xerosoph.in finanziert sich über Spenden und kann online bestellt oder in ausgewählten Locations in Zürich mitgenommen werden. Ziel ist es, auch über die Schweiz und die Veloszene hinaus Leute zu erreichen. Dass es dabei nicht nur um Aktivismus gehen soll, betont Jane, eine der sieben Teilnehmenden am Visionentreffen des Magazins, an dem Ideen diskutiert werden: «die xerosoph.in ist ein aktivistisches Heft und Velofahren gehört dazu. Es hinterfragt beispielsweise wer die Stadtplanung schmiedet oder wer Entscheidungen trifft.» Nora ergänzt, dass es beim Magazin stark um Community gehe und nicht nur ernste, politische Themen in der xerosoph.in Platz haben.

«Die Critical Mass unter den Magazinen»

Rund 100 Leute gehören zum Kolletiv xerosoph.in, von denen sich zwischen 30 und 40 Personen pro Ausgabe engagieren. Es sei simpel, Beiträge einzureichen oder an Aufgaben wie der Verteilung mitzuwirken, laut Michel, denn jede Person und dessen Ideen werden bei der xerosoph.in gleichwertig behandelt. Daher bezeichnet er die xerosoph.in als «die Critical Mass unter den Magazinen.» Auch dort kann jede*r Interessierte teilnehmen. Essentiell bei der xerosoph.in wie auch bei der Critical Mass ist die Xerokratie. Diese setzt sich aus Xerox, dem Namen eines Drucker- und Kopierer-Herstellers, und Kratie, der Herrschaftsform, zusammen und bedeutet «Entscheiden durch Kopieren». Laut Matteo sei Xerokratie eine Form von Anarchie und die Critical Mass ein anarchisches Experiment. Mit der Verbreitung des Begriffs wolle man dazu beitragen, so Matteo, «dem Gewaltgedanken, der der Anarchie anhaftet, entgegenzuhalten. Das Zusammenleben und das Kreieren von gemeinsamen Projekten soll im Vordergrund stehen».

Obwohl sich nicht jede*r am Visionentreffen als Veloaktivist*in bezeichnet, haben alle eine Vorstellung für die Zukunft des Velos. So sind sie sich einig, dass Städte weniger auf Autos ausgerichtet, dafür sicherer für Velofahrende sein sollten, denn Velofahren sei Autonomie. Zudem würden sich die Macher*innen freuen, wenn sich das Magazin weiterverbreiten und es in Zukunft lokale Ausgaben im Ausland geben würde.

 

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