Der «APPA» verhilft Küchenpflanzen zu schnellem Wachstum. (Bild: Jenny Held)

Ein Kräutergarten ohne Erde

von

Das Zürcher Start-Up Pleasant Plants hat ein praktisches Pflanzenanbau-System entwickelt.

Was mit kümmerlichen Erdbeeren auf dem WG-Balkon begann, endete mit der Idee für «Pleasant Plants»: Küchenpflanzen automatisch zu bewässern. Auf dem Weg dahin sammelten Jenny Held, diplomierte Physikerin, und Alexander Smirnow, Masterstudent in Mathematik, Expertise im Umgang mit LED-Belichtungen. Auch regelmässiges Kontrollieren von Erdfeuchtigkeitsmessgeräten ist für sie so alltäglich geworden wie der morgendliche Kaffee.

«Mehr Energie fürs Wachstum»

Indoor-Farming ist die fachmännische Bezeichnung für ihre Leidenschaft. «Bei unserem Produkt müssen die Wurzeln nicht durch die Erde kriechen, sondern die Nährstoffe werden direkt zu ihnen geliefert. Es bleibt mehr Energie für das Wachstum», schwärmt Jenny. Einiges Wissen haben sich die beiden aus Rob Dunns Hörbuch «Never out of Season» angeeignet. In ihrem APPA – Automatischer Pflanzen-Produktions-Assistent – kann Basilikum neben Paprika und allem anderen bis zur 30cm-Grenze gedeihen.

Mutieren die Pflanzen nicht zu Bonsais, wenn ihre Wurzeln zu wenig Platz haben? «Nein, nein», lacht Jenny, «Wurzeln füllen jeden Behälter aus, den du ihnen gibst. Nur wenn die Pflanze oben zu schwer ist und die Wurzeln nicht genügend Substrat zum Festhalten haben, kann die Pflanze Mühe haben, sich aufrecht zu halten.» Das Student Project House auf dem Hönggerberg stellte den beiden bisher im Co-Working und Maker-Space Kreissägen und Schleifpapier zur Verfügung, denn herstellen tun Jenny und Alex den APPA eigenhändig aus Holz. Mitgeliefert werde «ein gutes Ambiente, denn die LEDs sorgen für warmes Licht», ergänzt Alex. Bei dem Preis von 420 Franken muss aber wohl die gesamte WG für einen der «APPA’s» zusammenlegen.

Mit den Wurzeln im Weltall verankert

Die Begeisterung für Indoor-Farming ist seit Ende der 90er Jahre stark gewachsen. So begann auch die NASA am Projekt ‹Pflanzenzucht im All› zu forschen. Anders ausgedrückt: Die Aeroponik erlebte ein galaktisches Hoch. Wie ist das möglich? Der Weltraum ist schliesslich nicht für seine Fülle an Humus bekannt. Jenny hat recherchiert: «Pflanzen brauchen keine Erde, um zu wachsen». Folglich vermengte man auf Raumstationen Wasser mit Düngemittel, das mittels feiner Düsen auf die Wurzeln gesprayt wird. Was diese nicht aufsaugen, landet wieder im Tank. So recycelt dieses System seine eigenen Ressourcen. Dabei verbraucht es weniger Wasser, verzichtet auf Pestizide und ermöglicht, dass Setzlinge schneller wachsen. Somit ist diese Form von Pflanzenzucht um einiges ressourcensparender als andere Anbauformen.

Einziger Nachteil beim Aeroponik-Indoor-Farming sind die lauten Pumpen. Deshalb haben sich Jenny und Alex über Hydroponik informiert. Statt Nebel per Düse erhalten die Pflanzen ihre Tagesdosis hier per Tropfsystem. «Nur leicht weniger effizient als bei Aeroponik, spart man mit dieser Bewässerungsform noch immer bis zu 90 Prozent Wasser und bis zu 85 Prozent Dünger», erklärt Jenny. Steinwolle umhüllt die Wurzeln und speichert die Nährlösung in deren Nähe. Gleichzeitig ist sie luftdurchlässig, da die geschmolzenen Gesteinsfäden locker aufgewickelt wurden. Weil anorganisch, ist sie auch steril und unbeliebter Spielplatz für Schädlinge. Lediglich zwei Haken hat sie: Ihre Herstellung erfordert hohe Temperaturen, sprich Energie. Und sie macht sich nicht sonderlich gut auf dem Kompost. Daher: den Hersteller*innen nach Gebrauch wieder zurückgeben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Ein Haus aus Schnee

Eine Gruppe von Zürcher*innen begibt sich auf die Suche nach einem Schnee-Abenteuer
Gehe nach Oben