Neben einem fertigen Eventprogramm bietet «Das Gleis» auch eine offene Bühne. Bild: Una Rusca

Neben einem fertigen Eventprogramm bietet «Das Gleis» auch eine offene Bühne. Bild: Una Rusca

Eine neue Kulturbar für Queers

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«Das Gleis» an der Zollstrasse bezeichnet sich als Queer-freundlicher Ort. Was bedeutet das?

Bunte Teppiche, viele Pflanzen, bequeme Sessel, künstlerische Details und gemütliches Licht. Man hat das Gefühl, man befinde sich in einem warmen Wohnzimmer, dabei liegt «Das Gleis» inmitten der grossen, kahlen Betonfassade des Zollhauses, direkt an der Langstrasse. Hier finden regelmässig anregende Events statt, wie zum Beispiel ein «Silent Reading Rave», Lesungen oder Konzerte. Eine Mischung aus Bar, Café und Kulturlokal. Zudem bezeichnet sich «Das Gleis» als einer der einzigen offen queer-freundlichen Orte in Zürich. Was heisst das?

Raum für Künstler*innen

Voll zugänglich ist die Kulturbar erst seit April 2021. Trotz des Lockdowns gelang es den Gründer*innen, anfangs nur mit Take-Away-Angeboten das Lokal zum Laufen zu bringen. Hinter dem Projekt stehen Julia und ihre Partnerin Lou. Julia (30) hat an der Uni Zürich studiert, war viel in der Gastronomie unterwegs und fing dann an, Partys zu organisieren.

Als sie einen Anruf mit dem Angebot für das Lokal im Zollhaus bekam, beschlossen Lou und sie, die Herausforderung anzunehmen. Julia erzählt: «Ich mache das, wozu ich Lust habe, daher nehme ich meine Energie.» Diese Energie half ihnen, die einzigartige Wohnzimmeratmosphäre zu kreieren. «Das Gleis» bietet neben einem fertigen Eventprogramm auch eine offene Bühne, wo eigene Ideen realisiert werden können. Anders als in anderen Lokalen müssen Künstler*innen dabei nicht für die offene Bühne zahlen. «Wir wollen Kultur für alle zugänglich machen. Mit Hilfe von Mitglieder-Beiträgen, Fundraising und Kollekten sollen Künstler*innen entlohnt werden», sagt Julia. Es sollen vor allem lokale Künstler*innen motiviert werden, den Raum für ihre Projekte zu nutzen. Fokus auf queere Diversität Doch was zeichnet einen queer-freundlichen Ort aus? Diskriminierung findet im «Gleis» keinen Platz. Das Team achtet auf einen respektvollen und freundlichen Umgang untereinander und alle sollen sich frei fühlen, so zu sein, wie sie sind. «Wir sind queer, und queerfriendly sollte alles sein. An vielen Orten ist man leider noch nicht tolerant genug, man bekommt die Diskriminierung einfach zu spüren», ergänzt Julia. In Zukunft würden wohl auch andere Orte nachziehen und sich explizit als queerfriendly bezeichnen. «Wir steuern in die richtige Richtung.»

Das Kulturlokal hat sich effektiv als Treffpunkt der Zürcher LGBTIQ-Community etabliert. Allerdings ist sowohl das Publikum wie auch das Team sehr divers, es gibt Platz für alle. Julia fügt hinzu: «Ich bin völlig begeistert von der positiven Resonanz der Besucher*innen.»

Ein Vorreiterprojekt?

Auch wenn «Das Gleis» immer populärer wird, sollen auch weiterhin queere Anlässe im Fokus stehen. Die jetzige Herausforderung ist es, die aufstrebende Kulturbar weiterhin als einfachen und gemütlichen Ort zu erhalten. Julia meint dazu: «Die Bar soll nicht überrannt werden, es soll weiterhin Platz haben für unsere Stammkund*innen.»

«Das Gleis» ist auf jeden Fall ein Ort zum Wohlfühlen. Man kann sich hier zum Kaffee treffen, am Laptop arbeiten, ein Konzert besuchen oder auch einfach den ganzen Abend Bier trinken. Die zentrale Lage könnte es aber schwierig machen, das Lokal vor der Mainstream-Welle zu schützen. Nichtsdestotrotz ist «Das Gleis» ein Vorreiterprojekt eines queer-freundlichen Ortes und einen Besuch wert. Hier darf jeder Mensch so sein, wie er ist, und das spürt man auch.

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