Greta Van Fleet passen sich mit ihrer Musik nicht an Spotify-Algorithmen an. (Bild: Matthew Daniel Siskin)

Einfältige Virtuosen

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Album — Greta Van Fleet wollen mit ihrem neuen Album, «The Battle At Garden’s Gate», beweisen, dass sie mehr sind als ein Led-Zeppelin-Abklatsch. Trotz Kritik am hörbaren Einfluss der britischen Rock-Ikonen, war dieses Konzept für die Band in der Vergangenheit erfolgversprechend. Mit ihrem ersten Studioalbum schaffte es das Quartett aus Michigan 2018, sich auch in der Schweiz für fünf Wochen in den Charts zu halten. Ganz wie Led Zeppelin ist Greta Van Fleet eine klassische Rockband mit einem unverkennbaren Blues-Einschlag. Mit ihrem neuen Album sind sie diesem Stil treu geblieben.

«The Battle At Garden’s Gate» beginnt mit dem Ohrwurm «The Heat Above», den die Band schon im Februar veröffentlichte. Dieser Song fasst zusammen, was vom restlichen Album erwartet werden darf: Wenig Text, dafür viele hoch gesungene Vokale und grandiose Gitarrenriffs. Obwohl Spotify-Algorithmen Lieder verkürzen und Künstler*innen dazu zwingen, in ihrer Musik schneller auf den Punkt zu kommen, passen sich Greta Van Fleet mit ihrer Musik nicht an. Lange Intros, Outros und Solos bleiben fester Bestandteil und Markenzeichen der Band. Gitarrist Jacob Kiszka und sein Bruder, Bassist Samuel Kiszka, zeigen in diesem Album, was sie können – für Fans von Bass und E-Gitarren ein Genuss, der durch die gute, wenn auch zurückhaltende Darbietung von Schlagzeuger Daniel Wagner gesteigert wird. Der Sänger Joshua Krizka stellt auch in diesem Album wieder sein Talent unter Beweis. 

Doch sein effektvoller Gesang vermag nicht davon ablenken, dass es den Liedtexten der Band an Prägnanz und Wiedererkennungswert fehlt. Das häufige Wiederholen von lang gesungenen Vokalen erleichtert zwar das auswendige Mitsummen, wird aber schnell langweilig. Greta Van Fleet kennen ihre Instrumente und können auf ihnen komponieren. Doch das Album leidet unter den spärlichen Bemühungen um den Text. Eine Ausnahme stellt der Titel «Broken Bells» dar, der nicht nur mit einem beeindruckenden Solo überzeugt – die hohen Vokalwiederholungen wurden hier sparsam genug eingesetzt und weben sich nahtlos in die ungewohnt guten Zeilen ein.

«The Battle at Garden’s Gate» von Greta Van Fleet erscheint am 16. April 2021 bei Lava Records.

 

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