An der Senioren-Uni werden Notizen noch mit Stift und Papier gemacht. Bild: Lucie Reisinger

An der Senioren-Uni werden Notizen noch mit Stift und Papier gemacht. Bild: Lucie Reisinger

Es boomt an der Uni

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Nicht alle Studis sind jung. Über 60-Jährige können an die Senioren-Uni (unten) oder regulär studieren.

Weisse Schöpfe bevölkern dienstags und donnerstags den Lichthof und die Cafeteria des Campus Irchel. «All die alte Lüüt» sind Mitglieder der Senioren-Universität, die nun schon seit 35 Jahren besteht und qualitativ hochwertige Bildung für Personen ab 60 ermöglichen will. Jährlich finden 50 Vorlesungsstunden zu verschiedenen Forschungsgebieten der Uni und ETH statt. Aktuell besuchen jeweils etwa 90 Personen die Veranstaltungen – deutlich weniger als vor Corona. «Ich weiss nicht, ob dies nur mit der Pandemie zusammenhängt oder ob vielleicht auch ausserhalb der Uni die Angebote für Senior*innen zugenommen haben», meint Corina Leupp, zuständig für Organisation und Mitgliederverwaltung der Senioren-Uni. Die gesamte Mitgliederzahl sei jedoch eindeutig wegen der Pandemie von 2’500 auf nicht ganz 2’000 gesunken. Besonders medizinische Themen seien sehr beliebt, so Leupp. «Dann waren jeweils bis zu 600 Senior*innen im Vorlesungssaal, ein paar mussten sogar stehen.» Credits und Prüfungen gibt es nicht. 

Als ich den Hörsaal G-30 betrete, warten bereits alle. Vereinzelt, paarweise, in Gruppen. An diesem Dienstagnachmittag referiert Professor Bernd Nowack über «Plastik und Umwelt – ein vielschichtiges Problem». Er erklärt die Auswirkungen des Mikroplastiks auf eine verständliche und leicht zugängliche Art und Weise. Kein Computer weit und breit: Manche schreiben von Hand mit, doch die meisten hören einfach konzentriert zu – vorbildliche Studierende. Keine*r lässt sich vom Handy oder Zalando-Shopping ablenken. Nächste Folie: «Plastik im Meer». Entsetztes Kopfschütteln in den Reihen.

«Der ASVZ ist besonders beliebt»

«Die Vorträge sind für mich eine Bereicherung und helfen mir je nach Inhalt auch persönlich», meint eine Besucherin nach der Vorlesung. «Themen, die mich weniger interessieren, schaue ich online von zu Hause aus.» Das Online-Angebot besteht seit dem Herbstsemester 2020, als coronabedingt eine spezielle Plattform aufgebaut wurde. Nun ist ein hybrides Teilnehmen an den Veranstaltungen möglich. Dadurch seien laut Leupp mehr Mitglieder aus der Westschweiz und auch aus dem Ausland hinzugekommen. «Viele schätzen dies auch, weil sie krank oder nicht mehr so gut zu Fuss sind.» Die 80 Senior*innen, die von zu Hause aus zuschauen, erklären womöglich auch den Rückgang der vor Ort Anwesenden. Nebst den unterschiedlichen Vorträgen bietet die Senioren-Uni auch Sonderveranstaltungen an, zum Beispiel eine Führung durch den Irchel-Campus oder Unterstützung beim Verfassen einer Autobiographie. Die Mitgliedschaft für ein Jahr beträgt 150 Franken. Die Vorträge können auch einzeln à je 20 Franken besucht werden. Sport können die Senior*innen im ASVZ betreiben. Dieses günstige Angebot ist sehr beliebt.  «Ein Drittel von allen Mitgliedern ist vor allem an der Senioren-Uni eingeschrieben, um das ASVZ-Angebot nutzen zu können», so Leupp lachend. «Die Tanzkurse und die Möglichkeit, den Kraftraum zu nutzen, werden sehr geschätzt.»

Im Hörsaal ertönt nach 45-minütigem aufmerksamen Zuhören der Gong zur Pause. Einige bleiben sitzen,stellen hartnäckig Fragen und erfreuen sich an den ausführlichen Antworten. Um 15:45 Uhr wird geklatscht und die Senior*innen verlassen die Schulbank. Die weissen Schöpfe bewegen sich nun Richtung Cafeteria oder Ausgang. Anfang Mai geht es weiter mit «Antimalarial Drugs and Travel: Past, Present and Future» – auf Englisch.

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