Wie auf diesem Schild zu sehen ist, wird noch nicht überall richtig gegendert. Foto: Sumanie Gächter

Wie auf diesem Schild zu sehen ist, wird noch nicht überall richtig gegendert. Foto: Sumanie Gächter

«Fehler am Anfang sind Teil des Prozesses»

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Die Uni hat einen Leitfaden zum Gendern. Wie wird er umgesetzt?

Wer nach ihnen sucht, erkennt rasch: Generische Maskulina sind auf der Webseite der Universität Zürich Einzelfälle. An ihrer Stelle stehen geschlechtsneutrale Formulierungen, etwa «Studierende», Paarformen, also «Studentinnen und Studenten », und Nomen mit Gendersternchen, «Student*innen», oder mit Gender-Gap, «Student_innen». Diese Formen entsprechen dem universitären Leitfaden «Geschlechtergerecht in Text und Bild», der 2018 erarbeitet wurde. Demzufolge ist nur eine Form unerwünscht, nämlich das generische Maskulinum.

Eine Studie der Uni Wien zeigt, dass rund 10 Prozent mehr Teilnehmer*innen annehmen, dass es sich bei einer «Koryphäe » um eine Frau handelt, wenn sie zuvor einen geschlechtergerechten Text statt einen im männlichen Generikum gelesen haben. Die Wahl der Bezeichnungen hat also einen messbaren Effekt auf die Wahrnehmung eines Textes.

Richtlinien als Prozess

Ähnlich durchmischt wie die Webseite sind etwa auch die Präsentationen und Unterrichtsskripte der Fakultäten, beispielsweise der philosophischen, wirtschaftswissenschaftlichen und der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät. «Fehler am Anfang sind Teil des Prozesses», meint Christiane Löwe, Leiterin der Abteilung Gleichstellung und Diversität. Sie erzählt, dass sowohl die Webseite der Abteilung als auch Workshops für Mitarbeitende auf grosses Interesse stiessen.

Vieles spricht also dafür, dass an der Uni weitgehend gemäss Leitfaden geschrieben wird. Die Uni Zürich setzt damit ein Zeichen dafür, dass geschlechtergerechte Sprache ernst genommen werden soll. Neben schriftlichen Anreden und Unterrichtsmaterialien könnte auch die gesprochene Sprache geschlechtergerecht gewählt werden. Da sich der Diskurs zu dieser Thematik stetig ändert, sei eine Überarbeitung der Richtlinien in Planung, sagt Christiane Löwe. Vor allem Menschen, die bei der letzten Entwicklung nicht im Vordergrund standen, sollen eingeschlossen werden.

Binäre Kategorien aufbrechen

Eine betroffene Person ist Eliot Gisel, nonbinär und Mitglied von queer*z, einem queeren Verein der Zürcher Hochschulen. Eliot verwendet keine Pronomen, wie Eliots E-Mail-Signatur zu entnehmen ist. In Klammern «sie/ihr» hinzuzuschreiben kostet keine zwei Sekunden, kann aber für non-binäre Menschen einen grossen Unterschied machen. «Als non-binäre Person, die keine Pronomen verwendet, muss ich das immer angeben, weil viele Menschen nur ‹er› oder ‹sie› als Möglichkeit annehmen. Würden alle ihre Pronomen sagen, müsste ich nicht Angst haben, damit unangenehm aufzufallen», sagt Eliot. Geschlecht und Pronomen von Personen sollten nicht angenommen werden, bevor sie klar kommuniziert wurden. Deshalb sei es laut Eliot wichtig, mündlich wie schriftlich anfangs geschlechtsneutrale Anreden zu brauchen.

Lebensrealitäten abbilden

Geschlechtergerechte Sprache ist also mehr als die Überwindung des generischen Maskulinums. Immer noch wird die Lebensrealität vieler Menschen verschleiert, weil durch die gesprochene Sprache angenommen wird, dass sie nicht existieren. Wer eine geschlechtsneutrale Grussformel gebraucht oder von Kindern statt von Jungen und Mädchen redet, hilft, die Lebensrealität non-binärer Menschen sichtbar zu machen. So könnte geschlechtergerechte Sprache mehr sein als Schein: nämlich ein Schritt hin zu einer geschlechtergerechten Welt.

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