Illustration: Andrea Bruggmann

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FirstGen-Forschende haben es schwerer

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Akademische Eltern erleichtern den Einstieg in die Forschung.

Studierst oder arbeitest du an einer Uni? Dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass mindestens einer deiner Elternteile einen Hochschulabschluss besitzt. Studierende, welche als erste Person in der Familie eine Hochschule besuchen, sind sowohl im Studium als auch in der Forschung unterrepräsentiert. Diese sogenannten FirstGens haben es gemäss Studien in ihrer akademischen Laufbahn schwieriger. So kommen FirstGens oftmals aus einkommensschwächeren Familien und haben dementsprechend eher mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Diese gefährden  oftmals den Studienerfolg und führen zu einem allgemeinen Gefühl von Ungleichheit.  

Falsche Entscheide und Unsicherheit

Fabrizio Gilardi, Professor für Policy-Analyse am Institut für Politikwissenschaft der Uni Zürich, kennt diese Unsicherheiten. Er ist selbst FirstGen-Akademiker und setzt sich für eine breitere Sichtbarkeit dieser Thematik ein, indem er beispielsweise an Podiumsdiskussionen teilnimmt. «Manche Entscheide der FirstGen werden nicht optimal getroffen und das kann einen Nachteil bedeuten», meint Gilardi. So seien sich FirstGens vor allem zu Beginn des Studiums der Bedeutung strategischer Entscheide in Anbetracht einer wissenschaftlichen Karriere weniger bewusst. Dies könne ihre Chancen darauf verschlechtern.  Auch später zeige diese Ungleichheit Wirkung: «Bei einer akademischen Karriere ist die Phase während der Promotion mit viel Unsicherheit verbunden», so Gilardi weiter. Die gefragte geographische Flexibilität und die instabile finanzielle Lage verglichen mit einem normalen Berufseinstieg könnten sich FirstGens oft nicht leisten. 

Studien zeigten auch, dass FirstGens eher von Selbstzweifeln geplagt werden, welche dazu führen, dass man die eigenen Leistungen unterschätzt und den eigenen Platz an der Hochschule in Frage stellt. Gilardi kennt das auch von seinen Studierenden: Diejenigen, die ihm gegenüber souveräner auftreten,  hätten häufig Akademiker*innen-Eltern.

Massnahmen von Uni und ETH 

Angesprochen auf die Probleme von FirstGens am Beginn einer wissenschaftlichen Karriere, sagen Universität und ETH, dass ihnen keine Daten zu den Hintergründen ihrer Forschenden vorliegen. Die ETH hat auch keine Initiativen, welche direkt FirstGen-Forschende oder -Studierende beim Übergang in die Forschungswelt unterstützen. Die Medienstelle der ETH begründet dies damit, dass solche Initiativen – vor allem verglichen mit Projekten für Jüngere – keine Wirkung hätten. Sowohl die ETH als auch die UZH kennen dann auch eine Reihe von Massnahmen für Studierende. So gibt es Beratungsgespräche und finanzielle Unterstützung, von denen insbesondere FirstGens profitieren sollen. Dabei erfolgt  die finanzielle Unterstützung subsidär zu den kantonalen Stipendien und kann die Lebenshaltungskosten nicht immer vollständig decken. 

Doch das Problem der familiären Herkunft  betrifft die akademische Karriere nicht nur zu Beginn des Studiums. Die Uni Zürich scheint sich dessen eher bewusst zu sein. So finden an der Hochschule beispielsweise Podiumsdiskussionen zum Thema statt, welche die Sichtbarkeit von FirstGen erhöhen sollen. Obwohl die Uni als Angebot für FirstGen-Forschende lediglich Kurse in überfachlichen Kompetenzen für alle Doktorierende anbietet, von welchen FirstGen-Forschende «auch profitieren können», erklärt sie ambitioniert: «Ziel der UZH ist, zukünftig weitere Angebote für First-Generation-Forschende zu entwickeln.»

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