Auf dem einstigen Autoparkplatz floriert nun das Leben: Park Platz. Foto: Sumanie Gächter

Freie Räume in Zürich

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In Zürich gehtʼs auch autonom und antikapitalistisch. Eine Auswahl.

Zentralwäscherei

Die Zentralwäscherei, auch bekannt unter dem Kürzel ZWZ, ist der breiten Masse wohl nicht so bekannt wie vergleichbare Orte. Das dürfte sich jedoch bald ändern. Die ehemalige Wäscherei ist seit knapp einem Jahr ein Platz des Schaffens und der verwirklichten Ideen und damit ein multikultureller Treffpunkt. Statt frisch gewaschener Arbeitskleidung aus Spitälern findet man dort heute improvisierte Trennwände, Musikanlagen und Kunstausstellungen. Auch hier gilt das Prinzip eines offen zugänglichen Raums, jede*r ist willkommen und darf sich aktiv beteiligen. Die gigantische Halle stellt dabei das Herzstück dar, das in unterschiedliche Nischen unterteilt werden soll. In Planung sind ein schallreduzierter Raum für Veranstaltungen, Atelierplätze und gar ein Wohnareal mit Verpflegungsmöglichkeiten. Dazwischen bleibt genug Raum für diverse Kollektive und Vereine. Wer bis jetzt keinen Platz gefunden hat für eigene Projekte, könnte hier fündig werden. Die ZWZ soll vorerst bis 2026 bestehen bleiben.

Guggachbrache

Wer die Zwischennutzung an der Wehntalerstrasse nicht kennt, sollte dringend dorthin. Bis Ende Juli dient das grosse Areal gegenüber dem Radiostudio im Kreis 6 als belebte Grünfläche für das Quartier und lädt zum Spielen, Gärtnern und Erholen ein. Danach droht der Brache das gleiche Schicksal wie anderen Zwischennutzungen: Es weicht einer Überbauung. Doch bis zu diesem Zeitpunkt findet regelmässig der PUR Markt statt. Kleine und noch unbekannte Marktstandbetreiber*innen preisen vor allem lokale und nachhaltige Ware wie eingemachte Leckereien aus überschüssigem Gemüse oder Kunsthandwerk an. Die Köstlichkeiten kann man direkt auf der mitgebrachten Picknickdecke nebenan geniessen. Finden keine Märkte statt, wird der Platz für kreative, unkommerzielle Zwecke genutzt: beispielsweise den Art-Container, einen unabhängigen Ausstellungsraum für Kunstschaffende. Bevor das Coronavirus unser Alltagsleben grundlegend veränderte, pilgerten Junge und Junggebliebene zu den Musikevents auf der Brache und tanzten ausgelassen auf der grossen Wiese. Wer weiss, ob in den Sommermonaten im Rahmen eines Abschlussfests erneut Musik vom Platz dröhnen wird. Ein würdiges Ende hätte die Guggachbrache allemal verdient.

Rote Fabrik

Die roten Ziegelsteingebäude am See in Wollishofen sind ein geschichtsträchtiger Ort. Einst beheimateten sie die Seidenweberei, bis die Textilindustrie aus der Stadt zog und eine leerstehende Fabrik zurückliess. Noch in den 70er-Jahren wurde über eine Umnutzung diskutiert. Doch lange tat sich in der Zürcher Stadtpolitik nichts. Zehn Jahre später forderte die Interessengemeinschaft Rote Fabrik, dass die ehemalige Seidenweberei als alternatives Kulturzentrum fungieren sollte. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es für junge Zürcher*innen wenige unkommerzielle Begegnungsorte in der Stadt. Als es im Mai 1980 zu den Opernhauskrawallen kam, dem Höhepunkt der Jugendunruhen, forderte die Jugendbewegung dringend städtische Unterstützung beim Aufbau eines Kulturzentrums. Im Oktober 1980 wurde das Kulturzentrum Rote Fabrik offiziell eröffnet. Die Wände der Fabrik sind heutzutage längst nicht mehr ausschliesslich rot. Sie dienen als Leinwand für Sprayer*innen und Muralistas. Wer sich dort als Graffiti-Künstler*in verwirklichen will, darf das ungestraft. Aus den Hallen dröhnt ausserhalb der Pandemiezeiten laute Musik, die zahlreichen Innenräume dienen als Bandräume, Ateliers oder als Probelokale für das Fabriktheater.

Park Platz

Wer im Hochsommer am Oberen Letten eingequetscht zwischen hunderten von Sonnenanbeter*innen liegt, kennt den beliebten Park Platz wohl gut. Das Bier, das man sich zum Abkühlen holt, ist günstig und der kleine Imbiss bietet alles, was der Magen begehrt. Auf dem einstigen Autoparkplatz floriert nun das Leben. Wer eine Idee hat für ein unkommerzielles Projekt, darf es im «Parki» gratis verwirklichen. Eine grosse Leinwand lädt in den lauen Sommernächten zu Kinoabenden ein, und auch kleinere Konzerte oder andere Events wie die Klangpoesie finden regelmässig in den Containern statt. Die Tore zum Park Platz sind immer offen. Dabei besteht selbstverständlich kein Konsumationszwang. Wer dennoch etwas konsumiert, trägt dazu bei, dass durch die Einnahmen die Grundinfrastruktur instand gehalten wird und der Ort für Jung und Alt bestehen bleibt.

 

Bilder: Sumanie Gächter

 

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