«Was ich hier mache, ist nicht einfach nur ein bisschen putzen.» Bild: Jan Bolliger

«Was ich hier mache, ist nicht einfach nur ein bisschen putzen.» Bild: Jan Bolliger

Für die Studis im Dienst

von

Unterwegs mit Katiuska Marti, Luisa Pereira und René Zimmermann.

Während die Studis büffeln, Vorlesungen besuchen, prokastrinieren und allerlei Krisen durchmachen, übersehen sie leicht, wer ihnen das alles überhaupt erst ermöglicht. Über 3’000 Personen sind an der Universität Zürich in nicht akademischen Berufen angestellt. Sie kochen, reinigen, flicken, patrouillieren und bleiben dabei oft im Hintergrund.

Am ehesten kennen die Studierenden wohl noch Katiuska Marti. Sie ist der Grund, weshalb viele Studis bereit sind, einen Franken mehr für den Kaffee zu bezahlen. Die meisten kennen sie einfach als «Mi Amor». So begrüsst sie alle, die an ihren Kiosk «Café Complet» im Lichthof kommen. Das führt immer wieder einmal zu leichter Überforderung und roten Wangen im schüchternen Zürich. Egal zu welcher Tageszeit man bei ihr vorbei geht, sie scheint immer gut gelaunt und voller Energie zu sein. Dabei hat sie genug zu tun, auch wenn es gerade keinen Ansturm gibt. Sie ist verantwortlich für den ganzen Kiosk, muss Bestellungen aufgeben, aufräumen und päppelt nebenbei verzweifelte Studierende wieder auf. «Es kommt immer wieder vor, dass Studierende ihr Herz bei mir ausschütten», erzählt Marti. «Ich mache ihnen dann Mut und sage, dass sie an ihren Abschluss denken sollen, und dass sie das schaffen werden.» Ihr Ziel sei es, dass ihre Kund*innen sie nicht nur mit einem Kaffee verlassen, sondern auch mit einem Lächeln. Sie kennt die Sorgen der Studis, hat sie doch selbst zwei Kinder in diesem Alter, von denen eines aktuell  in Winterthur studiert.

Marti selbst blieb das Studium verwehrt. Als sie mit 17 Jahren mit ihrer Mutter und ihrer Schwester aus der Dominikanischen Republik in Schweiz kam, erlaubte ihr B-Ausweis es nicht, das Jurastudium fortzusetzen. Stattdessen verdiente sie ihr Geld mit Babysitten, lernte Deutsch und arbeitete danach im Grand Hotel Dolder als Zimmermädchen. Obwohl sie da viele Stars zu sehen bekam – «David Beckham, Bill Clinton!» – hatte sie nach drei Jahren genug. Sie bildete sich weiter und begann beim Gastronomiebetreiber Zürcher Frauenverein (ZFV) zu arbeiten. Elf Jahre lang war sie bei der UBS, bevor sie dann von ihrem früheren Chef an die Uni geholt wurde. Das ist jetzt dreieinhalb Jahre her. «Zuerst hatte ich etwas Angst vor den Studierenden. Man sagte mir, die seien sehr anstrengend und unordentlich. Aber ich liebe es hier zu sein, hier findet das wahre Leben statt!»

Reinigen – eine Wissenschaft für sich

Einige Treppenstufen höher ist auch Luisa Pereira sehr zufrieden mit ihrem Job. Sie arbeitet seit vier Jahren für die Universität im Reinigungsdienst. Ihr Reich ist das gesamte Stockwerk E des Hauptgebäudes. «Das ist der beste Stock!», erklärt sie lachend. Denn dieser hat verhältnismässig wenige Hörsäle. Diese und die WCs müssen jeden Morgen bereits vor acht Uhr gereinigt sein. Bei den Büros könne sie auch noch später am Tag vorbeigehen. Langweilig wird es ihr aber definitiv nicht. Jeden Tag dreht sie bis um drei Uhr ihre Runden, kontrolliert und reinigt alle WCs gut vier Mal pro Tag. Um das zu schaffen, braucht es Übung und Konzentration. Hätte sie pro WC so lange wie der Durchschnittstudi für sein Badezimmerämtli, müsste sie bis tief in die Nacht hinein arbeiten. Dabei ist sie nicht nur schnell, sondern auch wahnsinnig gründlich. Sie fährt genau einmal mit ihrem Lappen über das Lavabo und es strahlt wieder. «Was ich hier mache, ist nicht einfach nur ein bisschen putzen», betont sie. Um schnell und sauber reinigen zu können, brauche es viel technisches Wissen. Dieses hat sich Pereira in den 23 Jahren, die sie schon in der Schweiz ist, hart erarbeitet. Ursprünglich hatte sie in Portugal als Sekretärin gearbeitet. In der Schweiz konnte sie jedoch nicht auf diesem Beruf bleiben, da ihr dazu die Deutschkenntnisse fehlten. «Ich hätte damals gerne schnell Deutsch gelernt», sagt sie. «Doch mir fehlte die Zeit. Ich musste Geld verdienen und hatte deshalb mehrere Jobs gleichzeitig.»

Vielbeschäftigt ist auch René Zimmermann. Er ist der Leiter der Security und des Verkehrswesens der Abteilung Sicherheit und Umwelt an der Universität Zürich. «Es gibt täglich Diebstähle und Sachbeschädigungen auf dem Uni Areal», so Zimmermann. Er ist mit seinen zwei bis drei Mitarbeitenden verantwortlich für die Sicherheit von fast 30’000 Studierenden plus die Angestellten in rund 270 Gebäuden der Uni. Das seien mehr Personen, als in der Stadt Freiburg wohnten und relativiere auch die zwei bis drei Diebstähle pro Tag, findet Zimmermann. «Die Uni ist keine heile Welt, aber sie ist definitiv auch nicht schlechter.» Ersteres scheinen aber viele zu denken. Wenn jemandem zum Beispiel der Laptop, der über Mittag in der Bibliothek liegen gelassen wurde, geklaut wird, kommen die Leute zu Zimmermann und entrüsten sich: «Aber wir sind doch an der Uni!» Dann muss er jeweils innerlich schmunzeln, bevor er sich auf die Suche nach dem Laptop macht, oder den Betroffenen hilft, Anzeige zu erstatten. Denn sobald es strafrechtlich relevant wird, ist die Polizei gefragt.

«Die Studis sollen bleiben, wie sie sind»

«Ich weiss am Morgen eigentlich nie, was mich heute erwartet», sagt Zimmermann. Doch gerade diese täglichen Überraschungen reizen ihn seit nun 20 Jahren an seinem Beruf. Davor arbeitete er 15 Jahre bei der Polizei. Abwechslung bringen auch die vielen Veranstaltungen an der Universität. So hat er auch schon für die Sicherheit von Dalai Lama und Hillary Clinton gesorgt. In solchen Fällen würden zusätzlich viele externe Personen beigezogen und man arbeite eng mit den jeweiligen Sicherheitsteams der Prominenten zusammen, so Zimmermann.

«Es ist ein Wunder, dass noch nie ein Studi in den Lichthof gefallen ist.»

René Zimmermann, Leitung Security und Verkehrswesen

In seine Zeit fiel ausserdem die fast zweiwöchige Besetzung des grössten Hörsaals 2009. Auch diese Episode ist ihm insgesamt nicht schlecht in Erinnerung geblieben: «Auch dort war ein gewisser gegenseitiger Respekt zwischen den Studierenden und der Uni vorhanden.» Generell hat er das Gefühl, dass sich die Uni in den letzten Jahren gegenüber der Studierenden geöffnet habe und diese mehr miteinbeziehe. Dieser gegenseitige Respekt mache sich im Alltag bemerkbar. Dementsprechend zufrieden ist er mit den Studierenden: «Die Studis sollen genau so bleiben, wie sie sind!» Doch sie sollten bitte, bitte aufpassen, wenn sie auf dem Geländer rund um den Lichthof sitzen: «Dass da noch nie jemand runtergefallen ist, grenzt an ein Wunder!»   

Zufrieden mit den Studis ist auch Pereira. Klar sähen die Toiletten nicht immer so schön aus, doch das sei normal. «Ich wäre jedoch sehr froh, wenn die Studierenden ihre PET-Flaschen nicht die ganze Zeit in den Abfall werfen würden. Es ist nicht meine Aufgabe, die wieder rauszufischen, damit  sie richtig recycelt werden.» Zum Thema Recycling hat auch Marti eine Bitte: Beim Zurückbringen der wiederverwendbaren Becher immer die Deckel öffnen. Nach dem Tag der Einführung der neuen Becher und unzähligem mühsamem Deckelöffnen habe sie noch  tagelang Schmerzen gehabt. Und: «Mi amor, wenn du den Becher zwei Wochen bei dir zuhause hast, wasch ihn bitte kurz aus, bevor du ihn mir zurück gibst!»

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