Juli Zeh bildet in ihrem neuen Roman die Gesellschaft im Kleinen ab. (Bild: zVg)

Gefühlskalter Tiefgang

von

In ihrem neuen Roman «Über Menschen» macht sich Juli Zeh Gedanken zum aktuellen Zeitgeschehen.

Roman – Juli Zeh, die neben ihrem Schreiben auch als Juristin tätig ist, beschäftigt sich gerne mit Themen, die die Gesellschaft im Kern bewegen. Wiederkehrende Motive ihrer Bücher sind die Frage nach der Moral in einer Welt ohne Normen, das Verhältnis von Chaos und Ordnung, sowie das Leben der Menschen angesichts der Globalisierung. Wie Juli Zeh in einem Interview mit der NZZ sagt, sieht sie sich selbst als «Unterhaltungsschriftstellerin».

Ihr neuer Roman Über Menschen unterhaltet ebenfalls: Er spielt gleich zu Beginn der Corona-Pandemie. Protagonistin ist Dora, eine junge Frau, die mit ihrem Hund aufs Land zieht. Sie lässt das städtische Leben mit ihrem Freund zurück und tauscht es gegen ein neues ein. Auf dem Land befreundet sie sich mit ihren Nachbarn. Insbesondere mit dem Dorf-Nazi und dessen Tochter verbringt sie allmählich viel Zeit. Dora ist eine ewige Selbstzweiflerin, die sich schon immer schwergetan hat, eine klare Meinung zu finden. Nun steht sie inmitten der Gegensätze: Auf der einen Seite ist da ihr altes Zuhause, das linke Berlin, auf der anderen ihr neues Leben auf dem Land, mit Nachbarn, die so gar nicht dem städtischen Ideal entsprechen. Zwischen diesen Polen versucht Dora eine eigene Haltung einzunehmen. Dies ist nicht immer leicht und auch der Leser*in fällt es schwer, ein klares Weltbild zu fassen.

Gerade zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse in Doras Leben. Juli Zehs Sprache bleibt bei all der Aufregung aber klar und einfach. Der Reiz des Romans machen besonders die verschiedenen Charaktere rund um die Protagonistin aus, welche die Gesellschaft im Kleinen abbilden. Begleitet werden sie dabei von den tiefgründigen Gedanken und Gefühlszuständen Doras. Diese sind zwar interessant, denn Dora beschäftigt sich mit Grundfragen über die Existenz und die Welt, doch das Mitgefühl der Leser*in bleibt bei all der Bedeutsamkeit oftmals auf der Strecke: Juli Zeh spricht solch grosse Fragen allzu direkt an und schafft es nicht, zu berühren. Dennoch ist Über Menschen ein interessantes Dokument dieser aufwühlenden Zeit und kann ein Gefährte sein, um mit den Gedanken nicht allein zu sein.

«Über Menschen» von Juli Zeh ist am 22. März beim Luchterhand Verlag erschienen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Ein Haus aus Schnee

Eine Gruppe von Zürcher*innen begibt sich auf die Suche nach einem Schnee-Abenteuer

Ein musikalisches Erdbeben

Das einflussreichste jugoslawische New-Wave-Album «Paket Aranžman» jährt sich zum 40. Mal.
Gehe nach Oben