Die Band Sunflower Bean hat ein neues Album herausgebracht. Bild: zVg

Die Band Sunflower Bean hat ein neues Album herausgebracht. Bild: zVg

Geschärfte Konturen

von

Album —Eine der grossen Stärken der Indie-Pop- Band Sunflower Bean aus Brooklyn ist die warme, volle Stimme von Sängerin und Bassistin Julia Cummings. Sie kann mühelos die sanfte Schwere eines Stücks wie «Otherside» tragen, den spritzigen Indie-Funk von «I Don’t Have Control Sometimes» verkörpern und durch die Kaskaden von «Who Put You Up to This?» führen. Im Vergleich dazu haben die gelegentlichen Lead-Vocals von Gitarrist Nick Kivlen einen schweren Stand, auch wenn sie hie und da, etwa auf dem kauzig intro- spektiven «In Flight», zur Stärke werden.

Nicht nur in diesen Mischverhältnissen der Gesangsstimmen erinnert hier einiges an den stadionfähigen Pop-Rock von Fleetwood Mac. Wie diese in ihrer Hochphase müssen sich auch Sunflower Bean den Vorwurf der Gefälligkeit gefallen lassen. Nach der rauchigen Psychedelik des ersten Albums und den stampfenden Glam-Rock-Reminiszenzen des zweiten sind nun auf «Headful of Sugar» Falten geglättet und allzu offensichtliche Spielereien mit Retro-Ästhetiken ausgesondert worden. Die geschärften Konturen ermöglichen dafür auch eine klarer definierte Vielseitigkeit und einen klanglichen Luxus – ein Entwicklungs- prozess, der vielleicht an den Bogen erinnert, den Rilo Kiley vom ersten Album bis zu «Under the Blacklight» geschlagen haben.

Thematisch ist das Album durchzogen von der Zwiespältigkeit einer jungen Vitalität. Immer wieder stehen Ängste («If only I could feel so free / to call you now would be a breeze» in «Who Put You Up to This?»), Erwartung und vorweggenommene Resignation («Nothing in this life is really free» im dunkel-trägen «Roll the Dice») im Mittelpunkt – Erfahrung und Berührung, die man gleichzeitig ersehnt und fürchtet. In der immer wieder schimmernd zelebrierten Lebendigkeit liegt bei Sunflower Bean so etwas wie ein Überschuss an Nachdruck, als müsse dabei etwas bekräftigt werden, was bedroht oder in Zweifel gezogen ist; als wollten die Kräfte von Traurigkeit, Müdigkeit und Enttäuschung ihnen die Kostbarkeit des Überschwangs aus den Händen ringen und man müsste sie umso fester umklammern, um sie behalten zu dürfen.

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