Hui Zhang Urech hat sich mit ihrem Take-Away einen Traum verwirklicht. (Bild: Jonathan Progin)

Gourmetköchin hinter dem Imbiss-Stand

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Der Walchebrücke-Take-Away hat eine bewegte Geschichte.

Der Imbissstand am Ende der Walchebrücke, direkt vor dem Landesmuseum, ist allseits bekannt. Lange Zeit stand hier der Dim Sum Take-Away. Aufmerksame Beobachter*innen werden festgestellt haben, dass diese Anschrift kürzlich durch «Sweet & Sour Take-Away» abgelöst wurde. Die Besitzer sind aber noch die gleichen: Seit 1998 betreiben Hui Zhang Urech und Roland Urech den Imbiss. Kennengelernt haben sich die beiden vor etwa 30 Jahren in einer Bar am Zürcher Central. Bevor sie den Take-Away übernahmen, war Roland Urech Filialleiter der Raiffeisen-Bank in Arth-Goldau, Hui Zhang Urech arbeitete als Köchin in einem Luxusrestaurant.

Vom Sternerestaurant zum Imbiss

Geboren in Jinan, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Shandong, besuchte Zhang Urech die erste kulinarische Schule des Landes. Bereits mit 21 Jahren leitete sie ihr eigenes Restaurant, das damals nur Ausländer*innen bediente. Dort stiess Starkoch André Jaeger auf sie, der auf der Suche nach einem Koch-Talent für sein Luxusrestaurant war. Sie folgte ihm 1989 nach Schaffhausen und arbeitete acht Jahre in Jaegers «Fischerzunft».

«Die Fischerzunft war ein sehr edles und teures Restaurant. Für mein eigenes Geschäft hatte ich immer den Wunsch, gute Qualität zu günstigen Preisen anzubieten», erzählt Zhang Urech. Zwei Jahre lang hielt sie die Augen offen nach einem Standort für ihr eigenes Restaurant und stiess schliesslich auf den kleinen Imbiss an der Walchebrücke, den die beiden nun seit 22 Jahren erfolgreich führen. Während Zhang Urech jeden Tag die Menus vorbereitet, ist Urech für die Kasse zuständig und kümmert sich um den Einkauf. Vermietet wird die Verkaufsfläche von der Stadt Zürich. Früher war hier eine Crêperie und davor der Kiosk Zagjp der Zürcher Arbeitsgemeinschaft für Jugendprobleme. Letzterer bot alltägliche Gebrauchsgegenstände an, diente aber auch als Informationszentrum und Treffpunkt für die offene Drogenszene am Platzspitz.

Keine Dim Sum mehr

Der Take-Away von Hui und Roland Urech bot als erstes Restaurant in Zürich Dim Sum, chinesische Teigtaschen, an, die stadtbekannt waren. Anfang dieses Jahres mussten sie ihre Dim Sum von der Speisekarte nehmen, da Zhang Urech von der täglichen Arbeit an Arthrose in den Fingern leidet und sie die Teigtaschen nur noch unter Schmerzen wickeln konnte. In einem Flyer  teilten sie dies den Kund*innen entschuldigend mit.

Nach der Winterpause kehrten sie mit neuem Namen und Menu zurück. Manche Gäste sind nach der Kürzung des Angebots ausgeblieben, doch viele zeigten Verständnis für die Veränderung. «Zusätzlich hat uns die Corona-Krise getroffen, weil kontinuierlich weniger Menschen in die Stadt pendelten, um zu arbeiten», klagt Urech. «Im April mussten wir schliessen und unsere beiden Küchenmitarbeiter für Kurzarbeit anmelden.» Einen Monat später konnten sie wieder öffnen und nach den ersten Lockerungsschritten auch einen Teil ihrer Sitzplätze wieder anbieten. «Finanziell ist diese Phase zwar schwierig, aber persönlich haben wir nach 22 Jahren Arbeit im Take-Away nun endlich Zeit und Energie für anderes», sagt Roland Urech. Wenn sie mal aufhören den Stand zu führen, würden sie beide gerne Bücher schreiben: Sie über ihre Erfahrungen mit ihren beiden Heimaten und er über Politik – zwölf Jahre war er einst für die SVP im Schwyzer Kantonsrat. Hui Zhang Urechs chinesische Heimatprovinz Shandong haben sie noch nie gemeinsam besucht – das lange Fliegen sei für ihn zu viel.

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