Die Aktivist*innen des LSCV lassen nicht locker mit ihrem Protest. Bild: Anne Julie Ménard

Die Aktivist*innen des LSCV lassen nicht locker mit ihrem Protest. Bild: Anne Julie Ménard

Hartnäckiger Kampf für Primaten-Rechte

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Monatlich wird gegen Tierversuche protestiert.

Seit ungefähr fünf Jahren finden vor der ETH monatlich kleine, bewilligte Protestaktionen statt. Grund dafür sind die Tierversuche, die am Institut für Neuroinformatik (INI) durchgeführt werden. Dieses wurde 1995 gemeinsam von der Universität Zürich und der ETH eingerichtet und dient vor allem der Hirnforschung. Die Kampagne gegen Tierversuche fokussiert sich mit ihren Protesten vor der ETH speziell auf die am INI laufenden Tierversuche an nicht-menschlichen Primaten der Gattung der Makaken. 

Tierrechte statt Tierschutz

Der jüngste Protest fand am 19. April statt, organisiert von der Schweizer Liga gegen Tierversuche und für das Recht des Tieres (LSCV). «Stoppt Tierversuche», «Ich bin Leben, das leben will» oder «Für die Forschung ohne Primatenversuche» stand auf den Schildern und Plakaten der lediglich sechs Protestierenden. Dementsprechend klein war die Aufmerksamkeit, die die Aktion bei Passant*innen erweckte. Dennoch schienen die Protestierenden, gekennzeichnet durch weisse Ganzkörper-Anzüge und grüne LSCV-Shirts, unermüdlich zu sein und verharrten zwei Stunden lang vor dem ETH-Gebäude. Flyer wurden verteilt, es gab einen Informationsstand mit einer Petition zum Unterschreiben und Benja Frei, veranstaltende Person der Protestaktion und Präsidium der LSCV, hielt eine kurze Rede: «Wir kämpfen nicht für die Tiere, sondern mit den Tieren!»

Die LSCV setzt sich seit ihrer Gründung 1883 schweizweit für Tierrechte ein und distanzierte sich früh vom Tierschutz. Dieser stellt in den Augen der LSCV lediglich die geregelte Ausbeutung von Tieren dar. Mit Aktionen wie Infoanlässen, Online-Aktivismus und Demonstrationen will die LSCV die Bevölkerung auf bestehende Missstände aufmerksam machen, aufklären und mobilisieren. Die Ablehnung der Volksinitiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot» am 13. Februar 2022 sieht die LSCV dabei keineswegs als Rückschlag. «Die Abstimmung ist zwar verloren, aber die Debatte geht weiter», sagt Umwelt- und Tierrechtsaktivist Robert Rauschmeier. «Es muss ein Umdenken stattfinden, und das benötigt Zeit und Durchhaltevermögen.» Die Protestierenden vor der ETH sind sich einig: Tiere sollen Grundrechte haben, genauso wie Menschen.

Uni und ETH «offen für Diskurs»

Auf Anfrage betonen die Medienstellen der ETH und der Uni, dass sie sich der Verantwortung bewusst seien, welche die Forschung an Tieren mit sich bringe. So schreibt die Uni: «Die UZH begrüsst, dass Forschung mit Tieren in der Schweiz strikt geregelt ist. Das Schweizer Tierschutzgesetz […] zählt zu den strengsten weltweit.» Zudem sind sowohl UZH als auch ETH Mitglieder des nationalen 3R Competence Center und forschen an Alternativen, die Tierversuche in Zukunft vermindern, verfeinern und wenn möglich ersetzen können. Da «tierexperimentelle Forschung gegenwärtig noch nicht vollständig vermieden werden kann», so die Medienstelle der ETH, blieben sie von grosser Relevanz für die Forschung. Die ETH und die UZH stehen zwar nicht im direkten Austausch mit der Kampagne gegen Primatenversuche, seien aber offen für den Diskurs. Daneben bietet die Universität auch Führungen in die Tierhaltungen und Forschungseinrichtungen an – etwa am jährlich stattfindenden Tag des Versuchstiers für Mitarbeitende und Studierende. So soll die öffentliche Diskussion rund um das Thema Tierversuche in der Forschung weitergeführt werden, denn es bleibt eine wichtige Frage, die noch längst nicht beantwortet ist.

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