«Nein zum Krieg»: Protestierende in St. Petersburg, kurz bevor sie verhaftet wurden. Foto: David Frenkel/Mediazona

«Nein zum Krieg»: Protestierende in St. Petersburg, kurz bevor sie verhaftet wurden. Foto: David Frenkel/Mediazona

Klaffende Lohnlücke

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Im Schnitt arbeiten Frauen fast zwei Monate gratis. Der «Equal Pay Day» soll das ändern.

Der 20. Februar markierte den diesjährigen nationalen «Equal Pay Day», welcher symbolisch für die Lohnschere zwischen den Geschlechtern steht. Denn obwohl das Schweizer Gleichstellungsgesetz die Lohndiskriminierung verbietet, deuten die Zahlen auf etwas anderes hin. Noch immer beträgt der Gender-Pay-Gap zwischen Männern und Frauen in der Schweiz 14,4 Prozent, gemessen am Medianlohn. Rechnet man diesen in Zeit um, hätten Frauen im laufenden Jahr bis zum 20. Februar gratis gearbeitet. Um auf die Diskrepanz aufmerksam zu machen, hat die Gleichstellungskommission des VSUZH Anfang März eine Aktionswoche organisiert. In Workshops und Vorträgen klärten Wirtschaftsexpert*innen über die Faktoren und Folgen der Lohnlücke auf und boten Ansätze, um diese zu überbrücken.

An der Podiumsdiskussion der Aktionswoche wurde hervorgehoben, dass sich etwas mehr als die Hälfte der Lohnlücke auf objektive Faktoren zurückführen lässt: Frauen arbeiten öfter Teilzeit, besetzen weniger Führungspositionen und typische «Frauenberufe» sind in der Regel schlechter bezahlt. Der Rest lässt sich jedoch nicht aufschlüsseln. Sowohl die erklärbaren Faktoren als auch der unerklärbare Teil des Pay Gaps werfen kontrovers diskutierte Fragen auf. Handelt es sich um strukturelle Diskriminierung und anerzogene Rollenbilder, oder entscheiden sich viele Frauen bewusst gegen eine steile Berufskarriere? Eindeutig zeigen die vielen Daten nur, wie komplex das Thema ist. Dass in vielen Köpfen unbewusste Gender-Vorurteile verankert sind, beweisen aber etliche Studien, wie Finanzexpertin Désirée Dosch an dem Event erklärte.

Herausforderung Familienplanung

«Einer der wichtigsten Faktoren ist die Familienplanung, wo sich oft noch das traditionelle Modell durchsetzt», so Dosch weiter. «Ab da tauchen die grössten finanziellen Unterschiede auf.» Die Mutterschaft führe oft zu schlechteren Karrierechancen und zu Einbussen in der Pensionskasse. Dies spiegelt sich auch im Gender-Pension-Gap wider, der hierzulande ganze 37 Prozent beträgt. «Die Gleichstellung muss unbedingt auch auf männlicher Seite geschehen», findet deshalb die Finanzexpertin. Es solle normalisiert werden, dass Männer ihr Pensum reduzieren und die Teilzeitarbeit beziehungsweise die Kinderbetreuung nicht mehr nur «Frauensache» sei.

Doch auch die Selbsteinschätzung der Frauen spielt eine wichtige Rolle: Beim Einstieg in die Berufswelt haben Frauen tiefere Lohnerwartungen als gleich qualifizierte Männer. Gemäss VSUZH erwarten Studentinnen der Uni beim Berufseinstieg im Schnitt 8’500 Franken weniger Jahreslohn als ihre männlichen Kollegen. Mit der Sensibilisierungsarbeit richtet sich die Kommission vor allem an junge Studentinnen und will diese zu mehr Selbstvertrauen ermutigen. In einem Lohnverhandlungs-Workshop wurde den Teilnehmer*innen gezeigt, wie man faire Löhne verhandelt und mehr Transparenz fordert. «Es ist wichtig, dass sich Frauen ihres eigenen Marktwertes bewusst werden», so Dosch. Die Gleichstellungskommission macht deutlich, dass ihr Ansatz zur Schliessung des Gender-Pay-Gaps «Fix the System» und nicht etwa «Fix the Woman» lautet. Dennoch zeigt die Aktionswoche, dass es wichtige Dinge gibt, die man als Frau selbst in die Hand nehmen kann. Mit realistischen Tipps zu Familienplanung, Lohnverhandlung und Altersvorsorge weist sie den Weg Richtung Lohngleichheit – dies in der Hoffnung, dass es den «Equal Pay Day» in Zukunft bald nicht mehr braucht.

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