Bild: Cristiano Remo

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Klassiker neu aufgelegt

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Theater — «Gretel und Hänsel» ist eine Neuinszenierung des Märchenklassikers der Gebrüder Grimm, die sich grundsätzlich am Original orientiert: Weil sie zu wenig Geld haben, um die ganze Familie zu ernähren, entscheiden sich Stiefmutter und Vater, ihre beiden Kinder im Wald auszusetzen. Während die Kinder im Original auf eine böse Hexe im Lebkuchenhaus treffen, begegnen sie bei «Gretel und Hänsel» einer reichen Galeristin. Diese lässt Menschen für wenig Geld für sich arbeiten und möchte den Wald abholzen, um ein Museum zu bauen.

Annina Machaz und Nils Amadeus, verantwortlich für Text und Regie, sprechen von einem «zauberhaften Lehrstück des Antikapitalismus für alle Menschen ab 5 Jahren». Die Botschaften, die Annina und Nils den Zuschauer*innen mitgeben wollen, sind daher einerseits, so Nils, «ganz klar die Kritik am Kapitalismus». So sei es das Ziel, aufzuzeigen, dass man nicht auf Kosten anderer leben darf. Zum anderen behandelt das Stück auch die Themen Umweltverschmutzung und Abholzung, die laut Nils direkt mit dem Kapitalismus zusammenhängen. Viel Aufwand steckten Annina und Nils darin, das Stück möglichst auf die jungen Zuschauer*innen auszulegen. Die Sprache und Ästhetik seien einfach gehalten. Denn «Gretel und Hänsel» ist zwar für alle ab 5 Jahren gedacht, doch «an Nummer eins stehen die Kinder», so Nils. Ihnen sollen verschiedene moralische Grundsätze nahegelegt werden. Ein durchaus lobenswertes Unterfangen, doch bleibt offen, ob die vermittelte Märchenwelt der Komplexität der Realität gerecht werden kann.

Das Stück soll letztlich auch für Studierende geeignet sein. Denn diese seien in einem interessanten Alter zwischen Kindheit und Arbeitswelt. Weiter könne es ihnen «gut tun, dass man komplexe Dinge auch mal entschlüsseln und banal darstellen kann», so Nils. Unterhalten wird das Stück vermutlich alle. So erwartet die Zuschauer*innen neben einem Baum, der über Abholzung spricht, und einer Moralpredigt einer Maus eine Hip-Hop Version von «Knusper, knusper, knäuschen». Alle, die das sehen möchten, können das Stück ab dem 11. Dezember im Theater Neumarkt besuchen.

«Gretel und Hänsel» ist noch bis am 8. Januar 2022 im Theater Neumarkt zu sehen.

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