Die Mensa der Uni vergrössert ihr vegan-vegetarisches Angebot – die Preise steigen. Foto: Universität Zürich; Frank Brüderli

Kleine Schritte Richtung Nachhaltigkeit

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Die Universität Zürich passt das Mensaangebot an. Was ändert sich?

Die Mensa der Uni vergrössert ihr vegan-vegetarisches Angebot – die Preise steigen. Im Jahr 2019 führte die Betreiberin der Mensen der Uni Zürich, die ZFV-Unternehmungen, eine Gästeumfrage unter den Universitätsangehörigen durch. 80 Prozent der Befragten sprachen sich dabei für ein nachhaltigeres Mensaangebot aus. «Die Gäste erwarten regionale Produkte, ein grösseres veganes Angebot und mehr Produkte aus biologischem Anbau», erklärt die Mediensprecherin der Universität Zürich Rita Ziegler. Zudem stehe das Tierwohl beim Fleischeinkauf im Fokus. Infolge der Weiterentwicklung des Angebots steigen nun die Preise in den Mensen der Uni ab September – erstmals seit 15 Jahren. Ein vegetarisches Menü kostet neu 5.80 Franken, ein Fleisch- Menü 6.90 statt 5.40 Franken. Somit sind Fleisch-Menüs erstmalig teurer als die vegane und vegetarische Variante.

Preise im Vergleich tief

Die Menüpreise an der Uni Zürich sind im Vergleich zu anderen Schweizer Unis eher tief angesetzt. Dies zeigt sich, wenn man sie etwa mit den Mensapreisen der Universitäten in Bern und Luzern vergleicht, die auch durch den ZFV betrieben werden. Dort kostet ein Vegi-Menü acht Franken. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten in der Stadt Zürich vergleichsweise hoch. Damit die Kosten für Studierende tief bleiben, werden die Preise für Mitarbeitende und Externe stärker angehoben.

Doch wie verändert der ZFV künftig das Angebot, sodass es den Bedürfnissen der Gäste und den höheren Preisen gerecht wird? Laut der Mediensprecherin der ZFV-Unternehmungen, Livia Schönenberger, ist ein Schwerpunkt der Ausbau des vegan-vegetarischen Angebots. Milch und Kaffeerahm soll es zudem nur noch in Bio-Qualität geben. Weitere Massnahmen betreffen die Qualität der Lebensmittel. Fleisch und Brot sind nun zu 100 Prozent mit dem IPSuisse- Label ausgezeichnet.

Im Nachhaltigkeitsrating des WWF erreicht das Label beim Tierwohl keine Spitzenwerte. Doch gesamthaft gilt es als «empfehlenswert». IP-Suisse entspricht nicht dem Bio-Standard, will aber den Einsatz synthetischer Pestizide minimieren. Zudem sollen im Bereich des Klimaschutzes die Treibhausgasemissionen bei den IP-Suisse-Betrieben um 10 Prozent gesenkt werden.

Anforderungen an das Fleisch

Immer wieder nimmt die Uni Zürich auf ihr Klimaziel, Klimaneutralität bis 2030, Bezug. Gemäss ihrem Nachhaltigkeitsbericht aus dem Jahr 2018 verursachen pflanzenbasierte Gerichte im Vergleich zu Fleischgerichten weniger als die Hälfte der CO2-Emissionen pro Menü. Die Universität Luzern, die ebenso bis 2030 klimaneutral sein will, verzichtet seit August auf Fleisch im Mensa-Angebot. Ziegler erklärt, weshalb sich die Uni Zürich gegen diese Option entscheidet: «Wir berücksichtigen die Wahlfreiheit unserer Gäste: Diese sollen selbst entscheiden können, wie sie sich ernähren möchten.» Dabei soll Nachhaltigkeit mit einem «breiten und ausgewogenen Angebot» in Einklang stehen, so Ziegler.

Obwohl der Verzicht auf Fleisch vermutlich sinnvoller für die CO2-Bilanz gewesen wäre, handelt es sich um einen ersten Schritt in Richtung eines Mensaangebots, das nachhaltigere Anreize setzt. Trotzdem hätte man beim Fleisch stärker die Bedürfnisse der Mensagäste berücksichtigen können, etwa in Form eines Bio-Angebots oder strengerer Kriterien beim Tierwohl. Es ist verständlich, dass ein nachhaltigeres Angebot mit höheren Kosten einhergeht. Wünschenswert wäre jedoch eine Darlegung der Kosten, die aufzeigt, wie sich die Preisgestaltung des neuen Angebots im Vergleich zum alten zusammensetzt.

 

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