Kolumne: Gedankensprünge

von

Gedankensprünge aus dem Corona-Alltag von unserer Kolumnistin Kate Maier

Es regnet. Dann schneit es. Aber dann… dann regnet es wieder. Der Wasserkreislauf dreht sich fleissig. Und ich? Wie steht’s um meinen Kreislauf? Joggen kommt nicht in Frage, die Schuhe könnten nass werden. Das Online-Workout der Migros Clubschule hat bereits angefangen. Seilspringen ist auch verunmöglicht, der volle Wäschekorb und die Girlanden vom Geburtstag meiner Mitbewohner kämen mir in die Quere.

Überhaupt müsste ich das Springseil erst mal aus seiner Funktion als Wäscheleine befreien. Der Sport fällt für heute aus, doch die Gesundheitsgewissensbisse nagen unbeirrt weiter. Was bleibt dem armen Studierenden noch in seiner Not? Der Griff zur Trinkflasche. Wir kennen die blecherne Front aus den Hörsälen, wo sie zu Hunderten aufkreuzen und wie Wachttürme neben den Projekt-Neptun-Konsolen den Weisheiten lauschen. Hier zeigt sich Nachhaltigkeit in den fröhlichsten Farben – ausser einigen durchsichtigen Plastik- oder Glas-Exemplaren.

Immer wieder füllt ein spontanes Klirr-Tschädder die Redner*innenpausen, beantwortet von einem dumpf-buddhistischen Gong eines Edelstahl-Gasts. Wie aber konnten unsere Gedanken in die weit entfernten Hörsäle abschweifen? Die studentische Nostalgikerin hat sich zu Wort gemeldet. Es regnet noch immer, der Durst ist gelöscht – auch jener der Langeweile. Plötzlich erweckt ein gepunkteter Regenschirm durchs Fenster meine Aufmerksamkeit: Farbtupfer, die dem grauen Teint den Kampf ansagen. Skeptisch gehe ich zur klingelnden Tür und kurz darauf waten meine Leopardengummistiefel neben meinem Nachbarn durch die Moore. Für die 2021-Jahres-Statistik halte ich fest: Spaziergang 77.

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