Illustration: Sumanie Gächter

Kolumne: Selbstreflexion aus dem Alltag

von

Voicememos — Ich berichte immer noch aus Wien und habe diesen Monat sehr Tolles aus meiner kleinen «Zwangswelt» zu erzählen: Ich höre mir gerne meine eigenen Sprachnachrichten noch einmal an, nachdem ich sie abgeschickt habe. Ich kann nicht genau sagen, wieso.

Da ich hier in Österreich ein Neuropsychologie- Praktikum absolviere, kann ich aber mit Gewissheit eine Amnesie oder angehende Demenz als Grund ausschliessen. Denn ich habe im Rahmen des Praktikums viele solcher Tests, um sie zu verstehen, auch an mir selbst durchgeführt. Des Weiteren ist meine Stimme sehr gellend und schrill. Mir wurde von einem Freund einst sogar angeraten, in die Stimmbildung zu gehen, da er der Meinung war, dass ich den Übergang vom Stimmbruch zur ausgebildeten erwachsenen Stimme nie geschafft habe. Ich kann meine eigene Stimme ehrlich gesagt selber nicht wirklich leiden, das kann also auch nicht der Grund für das Nachhören sein.

Was ich aber ganz sicher weiss: Ich bin nicht allein mit dieser Angewohnheit. In meinem Freund*innen- und Bekanntenkreis ist sie sogar relativ verbreitet. Auch die Eigenart, dass ich mir meine Sprachnachrichten lieber laut als per Kopfhörer anhöre, teile ich mit einigen Freund*innen. Und jetzt kommt das anfangs als «toll» Angekündigte: Hier in Wien kennt mich niemand. Das bedeutet, dass ich in Supermärkten oder auf offener Strasse meine eigenen Sprachnachrichten hemmungslos und laut nachhören und dabei so tun kann, als würde ich gespannt der Nachricht einer Freundin lauschen.

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