Illustration: Sumanie Gächter

Kolumne: Laura Chresta

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Hindernisse — Diesen Monat berichte ich aus Wien, da ich vorübergehend hier wohne. Die Wiener*innen scheinen eine grosse Toleranz für ihre angejahrten Wohnungen zu haben; aufgrund der undichten Fenster herrscht Dauerdurchzug, der Putz an den Wänden blättert ab und bis sich das Wasser erhitzt hat, bin ich wohl wieder zurück in der Schweiz. Diese Duldsamkeit scheint sich auch im Strassenbau widerzuspiegeln. Die Fahrbahnen sind provisorisch zusammengepflastert, Schlaglöcher und massive bergrückenähnliche Erhebungen des Asphalts gehören zur Wiener Tagesordnung. Mein Veloweg zur Arbeit scheint besonders viele solcher Hürden aufzuweisen. Ich weiss nicht, ob ich als Kind zu verbissen «Der Boden ist Lava» gespielt habe oder als Jugendliche zu oft bei der Fernsehserie «Monk» hängengeblieben bin. Wie dem auch sei, Bodenmarkierungen aller Art, Dolen und Ausbesserungen in Form von «Teerpflastern » überquere ich nur ungern.

Als Fussgängerin fällt es mir eindeutig leichter, mit grossen Schritten über störende Linien zu steigen oder Teerexperimenten auszuweichen. Das Fahrrad dagegen erschwert diese Abläufe. Durch das rasante Tempo komme ich mit meinen Ausweichmanövern nicht nach. Ausserdem kann man mit dem Velo nicht einfach über Kennzeichnungen hinwegspringen, denn die Vermeidungsprozesse erfordern grössere Umwege und Schlenker. Und da die Fahrradwege hier sehr schmal sind und der Hauptstadtverkehr gigantisch, gehören Nahtoderfahrungen und die Beleidigung «deppert» halt zu meiner Wiener Tagesordnung.

Selbstreflexion aus dem Alltag von unserer Kolumnistin Laura Chresta

 

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