Illustration: Sumanie Gächter

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Kolumne: Selbstreflexion aus dem Alltag

von

Smalltalkhölle Ich melde mich wieder aus Basel zurück. Mein Praktikum in Wien ist fertig, das nächste Semester steht an. Da meine Psychologiekenntnisse sehr geschrumpft sind, sollte ich den Stoff dringend auffrischen. Leider sind aber nicht nur meine Wissensbestände drastisch eingebrochen, sondern auch meine Kommunikationskünste. Eine wunderbare Kombination für den täglichen Gang in die Bibliothek: wenig begreifen, in unverdienten Pausen unbeholfene Gespräche über Arbeiten und Vorträge führen und dabei gar nicht mehr wissen, über welches öde Thema man noch mit dieser halbfremden Person reden könnte – und immer wieder unangenehmes Schweigen ertragen. Ratschläge wie «mit Ironie die unangenehme Stille ansprechen» (als würde es vom Gegenüber unbemerkt bleiben und als ob die Anmerkung auch nur im Geringsten lustig wäre, wenn bis dahin über Credits gesprochen wurde), machen solche Situationen oftmals noch unerträglicher.

Ein Freund hat mir dafür eine bessere Strategie empfohlen: Bei peinlicher Stille innehalten und die Leute zählen, die an der «Konversation» beteiligt sind. Je mehr, desto besser. Dann kann man die Prozentanteile der jeweiligen Mitschuld ausrechnen und sich so durch das Abwälzen der eigenen Verantwortung besser fühlen. Dank dem fortdauernden Nichtbrechen der Stille wirkt man auf die anderen Personen so selbstbewusst und unverfroren, dass sich das Gegenüber schliesslich die alleinige Schuld für die äusserst unangenehme Situation geben wird.

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