Kommentar: Weniger Sponsoring, mehr Rückgrat

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Privatgelder – Diesen März liessen UBS und Uni gemeinsam die Korken knallen. Vor 10 Jahren gründete das Institut für Volkswirtschaftslehre der Uni Zürich in Partnerschaft mit der UBS das «UBS Center for Economics in Society». Anlass genug für grundsätzliche Fragen. Ziel war damals die «Unterstützung volkswirtschaftlicher Forschung und die Förderung des Austausches zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft». Die Bank verpflichtete sich zu einer Spende von satten 100 Millionen Franken und darf seitdem ihr Logo auf alle Papers kleben. Im Stiftungsrat des Instituts sitzen ausserdem doppelt so viele UBS-Kaderleute wie Uni-Professor*innen. 

Von Medien und Akademiker*innen kam anfänglich starker Gegenwind – man sprach von «Branding» und fürchtete um die Unabhängigkeit der volkswirtschaftlichen Forschung. Auch die ZS berichtete regelmässig kritisch. Die Vorwürfe wurden von der Uni vehement zurückgewiesen. Die Wogen glätteten sich erst, als 26 Schweizer Professor*innen den «Zürcher Appell» veröffentlichten und darauf Einsicht in die geheimen Verträge gewährt wurde. Matthias Binswanger, Initiator des Appells, gibt sich seither beruhigt. Diesen April sagte er gegenüber dem SRF, dass die Bank keinen Einfluss zu nehmen scheine und die Forschung des Departements sehr breit, teils auch bankenkritisch sei.

Doch wenn die Bank nicht mitbestimmen will, warum sind dann so viele UBS-Leute im Stiftungsrat? Viel grundsätzlicher stellt sich aber die Frage, wieso überhaupt Grosskonzerne die Forschung finanzieren sollen. Heute stiften nicht nur die UBS, sondern unter anderem auch Nestlé, Syngenta und Credit Suisse Professuren an Schweizer Hochschulen. Sollte in einer Demokratie nicht die Öffentlichkeit entscheiden, wie viel Geld die staatliche Uni bekommt, und diese das Geld nach eigenem Gutdünken handhaben? Wenn die UBS die Uni unterstützen möchte, könnte sie einfach mehr Steuern zahlen. Bis anhin ergibt man sich aber der Versuchung und lässt den grauen Männern freie Bahn, nimmt dankend an, was man bekommt. Gerade von einer staatlichen Hochschule wie der Universität Zürich würde man mehr Rückgrat erwarten.

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