Der Bedarf nach psychologischer Beratung steigt. Illustration: Sumanie Gächter

Der Bedarf nach psychologischer Beratung steigt. Illustration: Sumanie Gächter

Mentale Gesundheit im Fokus

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Der Verein Mindful(L) fördert den Dialog zur zunehmenden psychischen Belastung.

Anfang Oktober fand zum dritten Mal die jährliche Mental Health Awareness Week (MHAW) auf dem Campus Irchel statt. Insgesamt elf Anlässe hat der studentische Verein Mindful(L) im Rahmen der Aktionswoche organisiert, darunter Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops. Damit beabsichtigt Mindful(L), auf mentale Gesundheit bzw. Krankheit zu sensibilisieren und eine offene Gesprächskultur zu fördern. Die diesjährigen Events behandelten verschiedene Aspekte der psychischen Gesundheit, von Leistungsdruck über Achtsamkeitsmeditation bis hin zu Suizid.

Entstigmatisierung als Ziel

«Die Motivation hinter unserem Verein ist die Entstigmatisierung von psychischen Krankheiten», erzählen Celia Boss und Lea Hofer, beide Vorstandsmitglieder bei Mindful(L). «Wir wollen erreichen, dass die Studierenden häufiger über ihre psychische Gesundheit sprechen und dabei auch ernst genommen werden.» Dieses Jahr sei der Talk für die Angehörigen von psychisch erkrankten Menschen ein besonderer Erfolg gewesen. «Es ist ein Austausch entstanden, bei dem die Teilnehmenden sehr persönliche Erfahrungen teilten. Die Betroffenen schätzten es, gehört zu werden.»

Die Relevanz der Themen während der Woche wurde nicht nur durch die gut besuchten Events sichtbar, sie wurde auch in der «wiegETH’s»-Umfrage der ETH bestätigt. 23 Prozent der befragten Studierenden schätzten ihre psychische Gesundheit als sehr schlecht bis eher schlecht oder schwankend ein. «Dies bildet ab, dass sich ein Teil der Studierenden deutlich belastet fühlt», so Cornelia Beck, Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle der Uni und ETH. «In den letzten Jahren verzeichneten wir einen starken Anstieg der Inanspruchnahme der psychologischen Beratung.» Dies sei grundsätzlich eine positive Entwicklung. Gleichzeitig bestehe eine Diskrepanz zwischen der Zahl der Studierenden, die sich belastet fühlen und derer, die zu ihnen für eine Beratung kommen. «Dies wirft die Frage auf: Was ist mit den anderen Studierenden, die sich belastet fühlen, und wo erhalten sie Unterstützung?»

Hilfe annehmen

Es bestehe immer noch ein grosses Stigma rund um psychische Erkrankungen, meint Psychotherapeutin Bess Gutmacher bei ihrem Podiumsgespräch. Viele würden sich schämen, in Therapie zu gehen, oder würden vor lauter Scham gar nicht erst damit beginnen.

Dabei soll es genauso selbstverständlich sein, zur psychologischen Beratung zu gehen, wie bei einer schweren Erkältung zur Ärztin bzw. zum Arzt, so Gutmacher weiter. Dies finden auch Celia und Lea: Das Thema Mental Health sollte nicht erst angesprochen werden, wenn man in einer Notlage steckt. «Ein offener Dialog kann schliesslich auch präventiv wirken.»

Belastung hinterfragen

Hier setzt die MHAW an, indem sie mit ihren Workshops und Vorträgen versucht, das Gespräch rund um mentale Gesundheit anzuregen. Besonders im universitären Umfeld ist dies wichtig, denn «an der Uni wird sehr vieles normalisiert», findet Lea. Die eigene Belastung würde oft nicht hinterfragt.

Mindful(L) macht mit seinen Projekten bewusst, wie wichtig und allgegenwärtig das Thema mentale Gesundheit ist. Die Arbeit der Mental Health Awareness Week geht weit über diese eine Woche hinaus und trägt dazu bei, dieses wichtige Thema auch nachhaltig von seinem Stigma zu befreien.

 

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