Christian «Chrigi» Gamp ist Mitgründer und Manager des Senders.

Musik gegen den Strom

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In dem Kulturlokal und Radio «Sender» wird ununterbrochen energetische, abwechslungsreiche Musik ausgestrahlt. Damit belebt der Sender die Zürcher Kulturlandschaft.

Der «Sender» ist Bar, Club, Café und Radiostation des gds.fm Radios in einem. Christian Gamp – allseits als Chrigi bekannt – ist Mitgründer des Radios, Manager des Clubs, Musiksammler und DJ. Seine allererste Radiosendung «gds.fm» strahlte er an der ETH beim Campusradio «Radio Radius» aus. Nun läuft das Vollzeitradio unter dem gleichen Namen als eigener Sender rund um die Uhr. Die Stimmung der Musik wird der Tageszeit angepasst, so gibt es beispielsweise Zmorgemusig, Zvierimusig oder Bettmüpfelimusig. Seit 2017 finden zudem Events gleich neben der Langstrasse im Kulturlokal «Sender» statt.

Jeden Donnerstag ein Live-Konzert

Die Radio-Homepage bezeichnet die eigene Musik als «divers». Aber was ist überhaupt «diverse» Musik? «Genremässig extrem offen. House, Jazz, Rock und so weiter. Also eigentlich tief und breit. Alles was mir gefällt und immer wieder Neues, ausser halt Top40, denn dafür steht ja GDS: gegen den Strom», so Chrigi. Das Radio schafft Raum für Experimentelles, Performatives, Aufregendes, Verträumtes. Als Beispiel: Vor ein paar Wochen sagte Chrigi im Radio: «Jetzt kommt etwas für alle, die gerne Geräusche hören.» Und das kam dann auch. Eine halbe Stunde quietschte und schepperte, klirrte und summte es. Anschliessend ging das Geräuschorchester in melodischen Techno über. Techno, der erst im Hintergrund fliessend die Gesprächsklänge ergänzt, sich dann sanft in die Lüfte erhebt und sich schliesslich wie eine brechende Welle im Raum ergiesst. Gleichzeitig organisiert der Sender Live-Konzerte. Auch während Corona wird jeden Donnerstag ein Live-Konzert aus dem «Sender» gestreamt. Besonders imposant fand Chrigi das Konzert des Duos Ikan Hyu. Online kann es nachgehört werden.

Live-Auftritte während Corona 

Vor der Pandemie organisierte der Sender neben Party-Nächten auch DJ-Workshops, Töggeli- und Mario-Kart-Turniere. Nun läuft das Radio weiter, doch der Sender musste umdisponieren. Die Umstellung auf Online-Betrieb ist dem Sender einfacher gefallen als anderen Kulturbetrieben. Die bereits vorhandene Zuhörerschaft und Infrastruktur erleichterten die Änderungen. Die Konzerte konnten einfach weitergeführt werden und Gagen an die Künstler*innen weiter ausbezahlt werden. Dies ermöglichten insbesondere die vielen Mitgliederbeiträge. So bot der Sender eine der wenigen Möglichkeiten für Musikschaffende, live aufzutreten. Aber es bleibt ein Auf und Ab: «Die positiven Emotionen der Leute kannst du nicht durch Radiokonzerte ersetzen. Auch das draussen Sitzen und zusammen über Musik Schwatzen ist weggefallen», so Chrigi.

Trotzdem findet er es wichtig, den Leuten weiterhin Musik nach Hause zu senden. Es sei jedoch vor allem anstrengend, über Regeländerungen erst so kurzfristig Bescheid zu wissen. Wenn eine Pressekonferenz am Donnerstag bekanntgibt, man dürfe montags wieder öffnen, führt dies zu einer riesigen Kommunikationsflut. Personal muss kurzfristig aufgeboten und Infomails müssen verschickt werden. «Es könnte mehr in Absprache mit den Verbänden geschehen. Es gibt ja den Gastro- oder Gewerbeverband, die Bar- und Clubkommission, die jedoch auch nicht früher von den kurzfristigen Anpassungen erfahren», sagt Chrigi dazu. gds.fm bietet die Spontanität und Überraschungen, die während des letzten Jahres im Alltag oft fehlten. Mit dem Sender bietet das Radio dazu ein potentielles Stammlokal, das bei jedem Besuch Abwechslung und Neues bietet. Ein Ort, wo Lieder eingesogen und wieder ausgespuckt werden und das Publikum gedankenverloren in die feinen Klänge versinkt.

Hier findest du den Radiosender «gds.fm» und das Club-Programm.

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