Nachgefragt #2/20

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Nachgefragt — Herr Widmer, warum ist die Wahlbeteilung in der Schweiz so tief?

In der Schweiz bestehen ungewöhnlich viele Gelegenheiten zur politischen Teilhabe. Neben den nationalen Wahlen finden bis zu vier Mal jährlich eidgenössische Abstimmungen statt. Zudem werden Personenwahlen und Sachabstimmungen nicht nur auf nationaler Ebene entschieden, sondern auch auf kantonaler und kommunaler Ebene.

Diese Umstände tragen aus zwei Gründen dazu bei, dass die Wahlbeteiligung vergleichsweise tief ausfällt: Einerseits sinkt aufgrund der direktdemokratischen Teilhabe die Bedeutung der Wahlen. Die Wahlberechtigten können nicht nur ihre Repräsentation in Parlament und Regierung bestimmen, sondern haben auch das Recht, bei Initiativen und Referenden direkt Einfluss zu nehmen. Andererseits zeigen politikwissenschaftliche Studien, dass die Beteiligungsquote pro Teilnahmemöglichkeit zwar gering ist, die absolute Zahl an Beteiligungen angesichts der Zahl an Teilnahmemöglichkeiten aber gar nicht so tief ausfällt. Auch der Anteil jener Stimmberechtigten, die gar nie teilnehmen, ist nicht besonders hoch. Zudem zeigt die Forschung, dass selektives Teilnahmeverhalten auch positive Aspekte hat. So kann sich die Qualität der Teilnahme erhöhen, wenn gut informierte Personen abstimmen, weniger gut informierte der Urne aber fernbleiben.

Insgesamt ist das Angebot an Partizipationsmöglichkeiten in der Schweiz ausserordentlich umfangreich. Wenn das Buffet reichhaltig ausfällt, wird man eben wählerisch.

Thomas Widmer ist Professor am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Zürich.

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