Am Treffen des Studierendenplenums im Café Zähringer wird rege diskutiert. Bild: Lucie Reisinger

Am Treffen des Studierendenplenums im Café Zähringer wird rege diskutiert. Bild: Lucie Reisinger

Neues Studiplenum gegründet

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Eine Gruppe Studierender will die Unipolitik aufmischen. Sie soll sich durch «Unabhängigkeit» vom VSUZH abheben.

Am 29. März treffen sich in einem Seminarraum der Uni Zürich rund dreissig Personen und tauschen sich im Rahmen eines neuen, offenen Studiplenums über die Missstände an Uni und ETH aus. «Wir wollen ein offenes, basisdemokratisches Gefäss schaffen, das freier agieren kann als der VSUZH», erzählt Lena Ryser. Sie ist eine der vier Studierenden, die das Studiplenum zum Leben erweckt haben. «Der VSUZH ist in die Uni-Administration eingebunden. Ihm sind deshalb politisch die Hände gebunden», so ein anderes OK-Mitglied. Die Idee eines offenen Studiplenums ist von französischen Universitäten inspiriert: Dort ist es Usus, dass sich Studierende einmal wöchentlich treffen, um spontane Aktionen umzusetzen. 

Schon kurz nach der Gründung sammelte das Plenum in Kleingruppen Kritikpunkte: Zu hohe Studiengebühren, Ökonomisierung der Uni, Diskriminierung, sexistische und rassistische Äusserungen von Professor*innen, chaotische Prüfungsorganisation während Corona, Leistungsdruck, zu hohe Mensapreise, Werbung für private Unternehmen in Vorlesungen, unkritische Wissenschaft und die Anforderung an die Studierenden, sich selbst zu finanzieren, ohne nebenbei noch arbeiten zu müssen. An Problemen scheint es nicht zu mangeln. Konkrete Lösungsansätze dagegen haben die Studierenden kaum.

«VSUZH sind nicht die Hände gebunden»

Auch das Co-Präsidium des VSUZH ist beim Studierendenplenum dabei, um sich ein Bild zu machen. «Wir versuchen die Studierenden anzuhören und möchten deshalb auch aktiv einen Schritt auf das Studiplenum zugehen, um seine Anliegen zu hören und unsere Mithilfe anzubieten», sagt Co-Präsident Pio Steiner. Doch es lässt ihn nicht ganz kalt, dass das Plenum den VSUZH aussen vor gelassen hat: «Wir hätten uns gewünscht, dass das Organisationskomitee sich vor seinem ersten Plenum mit uns ausgetauscht hätte, um abzuklären, wo die Mittel des VSUZH liegen und was man zusammen angehen könnte. Das wurde leider nicht gemacht», kritisiert Pio. 

Nichtsdestotrotz befürwortet der VSUZH den Zusammenschluss engagierter Studierender, die sich für eine gerechte Uni einsetzen. Dass dem offiziellen Studiverband politisch die Hände gebunden seien, streitet Pio aber entschieden ab: «Wenn das so wäre, würden wir sehr viel falsch machen. Da wir von der Uni unabhängig  sind, sind uns die Hände genau nicht gebunden. Wir schrecken auch nicht vor rechtlichen Disputen zurück, wie der Fall der Disziplinarverordnung gezeigt hat.» Er führt aus: «Da der VSUZH in sehr vielen universitären Kommissionen drin ist, kann es vielleicht so wirken, als würden wir auf einer ‹Unischiene› fahren. Aber wenn man Kritik an der Uni üben will, kommt man nicht umhin, sich mit ihr an einen Tisch zu setzen und Probleme offen anzusprechen.» Das habe aber nichts mit Abhängigkeit zu tun. «Uns stehen alle Mittel zur Verfügung, die im rechtlichen Rahmen liegen, um auf wichtige Themen hinzuweisen. Das wird vielleicht manchmal zu wenig sichtbar, da vieles vertraulich behandelt werden muss», rechtfertigt sich Pio für den VSUZH. 

Viel Engagement, wenig Struktur

Für einige Teilnehmende des Studiplenums scheint der VSUZH also mehr ein Verein zu sein, der Parties und Speeddatings organisiert, als ein Verband, der sich politisch für die Anliegen der Studierenden einsetzt. Doch was genau will denn dieses Plenum? Die Frage wird bei einem «offenen Austausch» am 13. April im Café Zähringer diskutiert. Ungefähr dreizehn Personen sitzen dort an einem Tisch und diskutieren darüber, wie es weitergehen könnte. «Es ist schwer herauszuspüren, welche Probleme man tatsächlich in diesem Rahmen angehen kann. Es braucht noch Struktur», meint einer der Anwesenden. Zu den Forderungen gehören wieder eine Uni ohne Diskriminierung, emanzipatorische und unabhängige Bildung sowie Bildungszugang für alle.

Die Studierenden legen sich vorläufig auf einen Zeitplan fest: Das Plenum soll monatlich stattfinden. Die nächste Zusammenkunft an der Uni findet am Mittag des 10. Mai statt. Genaueres wird noch bekanntgegeben. Es soll zum einen um das universitäre, aber fremdfinanzierte Institut «UBS Center of Economics in Society» und zum anderen um «Hierarchien und Machtstrukturen» an der Uni gehen. Bei Letzterem wird es Inputs von der linken VSUZH-Ratsfraktion KriPo (kritische Politik) geben. «Ziel ist es, dass sich autonome Arbeitsgruppen bilden, welche dann an spezifischen Themen arbeiten können», meint ein weiteres Mitglied des Organisationskomitees.

Bei vielen Anliegen scheinen die Teilnehmenden jedoch nicht besonders gut informiert zu sein. Es macht den Eindruck, als hätten die Studis viele Probleme erst gerade bemerkt. Das UBS Center beispielsweise existiert mittlerweile schon seit 10 Jahren. Ob es daran noch etwas zu rütteln gibt, ist fraglich. Wobei es immer eine der grössten Herausforderungen der studentischen Unipolitik ist, gegen eine Uni anzukämpfen, die ihre Projekte auf lange Zeithorizonte hin plant, während die Regelstudienzeit nur fünf Jahre dauert. Dem Plenum mangelt es schliesslich noch an Struktur und greifbaren Vorhaben. «Wir sind jetzt noch in der Findungsphase, da ist alles noch nicht so konkret», sagt Nicolas, einer der Initiator*innen.

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