Bild: Filmbringer

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Pension vor der Kamera

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Dokumentation – In «Für immer Sonntag» nimmt uns Regisseur Steven Vit mit, als er seinen Vater Rudy auf dessen letzten Geschäftsreise und durch die ersten drei Jahre der Rente begleitet. Dabei ist Vit auch Kameramann, Interviewer und Erzähler. Der Dokumentarfilm greift eine interessante Thematik auf, die in den Familien vieler Studis bald relevant werden könnte. Nämlich: Wie geht es weiter, wenn man sich nach einem Leben voller Arbeit und Kinder nur noch um das eigene Wohl kümmern muss? Wer ist man dann noch?

Dabei folgen wir Rudy durch verschiedene Episoden seines Lebens. Er ist zum Beispiel am Kochen, in den Ferien am Fischen oder in einem Disput mit seiner Frau Käthi, Stevens Mutter. Vit stellt dabei immer wieder Fragen an seine Eltern, lässt sie ihre Gedanken mitteilen oder bringt seine eigenen als Stimme aus dem Off ein. Im Vordergrund stehen dabei Atmosphäre und Emotionen, welche Vit durchaus gut übermittelt. So erschafft er durch gelungene Kompositionen immer wieder eindrückliche Szenen. Einmal folgen wir einer Fliege übers Fenster, ein anderes Mal lassen wir Rudys Einsamkeit auf uns wirken, während er in einer vollen Messehalle steht. Untermalt wird das Ganze entweder von Umgebungsgeräuschen oder passender Musik.

So gelingt es Vit insgesamt gut, einen mitfühlen zu lassen, wie es ihm oder seinen Eltern geht. Unter dem Format leiden aber Unterhaltungswert und Informationsgehalt. Dass Rudys Pensionierung weder für ihn noch für Käthi sehr einfach ist, wird klar. Doch verfehlen die Szenen, welche Probleme behandeln, diese zu konkretisieren und auf die Hintergründe einzugehen. Generell liefert der Film wenige Informationen. Es wird zum Beispiel auch nie erklärt, wie Rudys Alltag vor oder nach der Pensionierung aussieht. Dadurch wird die Dokumentation insgesamt etwas zu langatmig und manchmal auch anstrengend.

Für immer Sonntag ist kein Film, welcher für leichte Unterhaltung oder zum Abschalten geeignet ist. Sein Wert liegt darin, dass er einen emotional mitnimmt und dazu bewegt, darüber nachzudenken, wie man selbst oder wie die eigenen Eltern mal mit dieser Situation umgehen werden.

«Für immer Sonntag» läuft ab dem 17. Mai im Kino.

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