Orelli-Saal

Im Orelli-Saal an der Künstlergasse 15 fand der Event statt. (Bild: Lisa Horrer)

PR-Frühstück mit Michael Schaepman

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Der Unirektor lädt zu Kaffee und Gipfeli ein. So ist der Event abgelaufen.

«Breakfast with Michael»: Mit diesem Betreff informierte der Unirektor, Michael Schaepman, in einer Mail alle Studierenden und Mitarbeitenden der Uni über die neue Eventreihe. Pro Termin können zehn Personen teilnehmen und sich eine Stunde lang mit dem Rektor austauschen. Dabei gilt es schnell zu sein, denn die Platzvergabe erfolgt online nach dem «first come, first served»-Prinzip. Zunächst ist das Projekt auf vier Veranstaltungen beschränkt. Zusatztermine sind vorhanden.

Wer ist Michael?

So familiär die Einladung des Rektors klang, so irritierend war sie auch. Denn wer ist eigentlich Michael? Um das herauszufinden, logge ich mich eine Woche vor Event um Punkt acht im Anmeldesystem für die erste Durchführung ein. Wenige Sekunden darauf erhalte ich die Bestätigung per Mail: «Sie haben sich erfolgreich angemeldet». Eine Woche später ist es so weit. Ich stehe vor den verschlossenen Türen der Künstlergasse 15 und warte. Dann geht es hoch in den zweiten Stock und ich betrete den Orelli-Saal. Dort begrüsst mich Schaepman und ich nehme neben ihm Platz. Nachdem die Runde vollständig ist und alle sich mit Gipfeli und Getränken eingedeckt haben, ergreift der Rektor das Wort. Er stellt sich und seinen Werdegang vor. Auch erzählt er, er habe die Idee von der Universität Utrecht abgeguckt, die ebenfalls eine solche Veranstaltungsreihe angeboten hat. Er weist darauf hin, dass alle Anwesenden ihn duzen dürfen. Dann stellen sich die Teilnehmenden vor: Sechs Studierende sowie fünf Unimitarbeitende sind vor Ort.

Q & A

Nachdem die Vorstellung aller abgeschlossen ist, eröffnet Schaepman die Gesprächsrunde. Ein Studierender fragt, wo die Uni in fünf Jahren sein möchte. Danach fällt die Gesprächsführung in die Hände der Mitarbeitenden. Sie stellen Fragen und geben Feedback zu Themen wie «Change Management», dem Evaluationssystem für Dozierende, dem Ratingsystem der Uni und die fehlende Identifikation mit respektive an der Uni Zürich. Der Rektor versucht, so gut es geht, Rede und Antwort zu stehen – mal auf Hochdeutsch, mal auf Mundart. In einem ruhigen Moment stelle ich eine Frage zu Bildung für alle. Wie sein konkreter Plan aussehe und inwiefern «alle» auch Personen aus bildungsfernen Familien umfasse. Dann ergreift ein anderer Studi die Initiative und kritisiert die Bolognareform an der Universität Zürich. Im Anschluss hebt ein weiterer Studierender seine Hand und möchte etwas fragen. Doch genau in diesem Moment erklärt Schaepman die Veranstaltung für beendet. Es ist bereits 9.15 Uhr; also nach offiziellem Veranstaltungsende. Er habe noch Termine und müsse weiter, entschuldigt er sich.

Diskussion im informellen Rahmen

Nach Ende des offiziellen Gesprächs bleiben fünf Studierende im Saal und tauschen sich zunächst über den Event aus. Eine wirkliche Erwartungshaltung habe niemand der Studis gehabt, sie haben «mal dabei sein» wollen. Die verbleibenden Anwesenden meldeten sich innerhalb der ersten Sekunden an: «die Anmeldung für das Frühstück klappte deutlich besser als die Modulbuchung», sagt ein Student schmunzelnd. Der Student, dessen Frage am Ende unbeantwortet blieb, zeigt sich enttäuscht: «Das war mehr Pressekonferenz als Diskussion und ich konnte nicht mal meine Frage stellen», klagt er. Auch die anderen Studierenden nicken zustimmend und sind ernüchtert. Danach diskutieren die Studis Themen, die sie teilweise gerne vorher in grosser Runde angestossen hätten. Es kommen Gespräche und Diskussionen zustande, in denen die Teilnehmenden ihre unterschiedlichen Standpunkte ausdrücken. So lebhaft hätten sie sich das Gespräch beim Frühstück gewünscht.

Format mit Potenzial – aber nicht für alle

Es ist spannend, den Unirektor persönlich in einem vermeintlich ungezwungenen Ambiente kennenlernen zu können, dabei sogar Fragen oder Anregungen zu besprechen. Doch die Veranstaltung in der aktuellen Form ist zu starr. Anstatt, dass eine Diskussion mit mehreren Beteiligten zustande kam, stellten Einzelpersonen ihre Fragen und brachten ihre Anliegen an, auf die der Unirektor jeweils reagierte. Zwar wirkten die Antworten von Schaepman authentisch, doch stellenweise wich er den Fragen oder Kommentaren aus. Die Stimmung war verhalten, sehr ruhig und dadurch, dass alle die Reaktionen des Rektors abwarteten, wirkte es mehr wie ein Q & A als eine Gesprächsrunde. Dass durchaus mehr möglich gewesen wäre, zeigten die verschiedenen Konversationen und Diskussionen unter uns Studis im Anschluss an das Frühstück. Warum schlussendlich keine Diskussion in grosser Runde zustande kam, ist unklar. Ob es daran lag, dass man als Teilnehmende lieber das eigene Thema anbringen wollte als in der Gruppe zu diskutieren oder man eingeschüchtert von dem Saal war, in dem sonst wichtige universitäre Entscheidungen getroffen werden, lässt sich nur vermuten. Oder ob etwa die räumliche Distanz zu den anderen oder die Platzierung des Rektors an der Ecke des Raums dazu beitrugen.

Auch wenn der Unirektor diverse Fragen und Anliegen mit auf den Weg bekommen hat, ist das nur ein Bruchteil dessen, was die gesamte Studierendenschaft oder die Mitarbeitenden bewegen dürfte. Obwohl ich froh bin, im Kreis der Auserwählten gewesen zu sein, muss einem bewusst sein, dass nicht vielen diese Chance zuteilwird. Bis Abschluss der Eventreihe können voraussichtlich 40 bis 60 Uniangehörige am Austausch mit dem Unirektor teilnehmen. Alleine auf 28’000 Studierende kam die Uni im letzten Semester. Die Chance einen Platz für ein Frühstück zu ergattern, ist also äusserst gering. Daher ist fraglich, was die Veranstaltungen am Ende bewirken. Frust über die Nichtteilnahme oder Freude es geschafft zu haben? Die Erkenntnis zu erlangen, dass es sich doch nur um eine weitere PR-Veranstaltung der Universität handelt? Wie werden die anderen Tausenden von Stimmen gehört, deren Anliegen nicht persönlich mit Schaepman thematisiert werden können? Dass anscheinend weitaus mehr Bedarf besteht, am «Breakfast with Michael» teilzunehmen und sich mit dem Rektor auszutauschen, zeigt die Tatsache, dass in wenigen Sekunden alle Plätze vergriffen waren.

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