Noch wird intensiv geprobt für «Marian or the True Tale of Robin Hood». Bild: Una Rusca.

Noch wird intensiv geprobt für «Marian or the True Tale of Robin Hood». Bild: Una Rusca.

Robin Hood schiesst queer

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Am 22. April feiert das neue Stück der englischsprachigen Theatergruppe Blueprint Masquerades Premiere. In «Marian or the True Tale of Robin Hood» werden nicht nur die Reichen beklaut, um soziale Gerechtigkeit herzustellen, sondern auch Geschlechterrollen hinterfragt.

Im Theatersaal im Irchel wird zurzeit gekämpft und geküsst, was das Zeug hält. Denn in wenigen Tagen steht die Premiere von «Marian or the True Tale of Robin Hood» an, der neuen Produktion der englischsprachigen Theatergruppe Blueprint Masquerades. In dieser Neuinterpretation der Legende des edlen Diebes Robin Hood, welcher vom tyrannischen Prinz John stiehlt, sind der Held und seine Geliebte Maid Marian ein und dieselbe Person. Dies bringt nicht nur eine ganz neue Perspektive in die klassische Geschichte, sondern stellt auch gleich das Patriarchat auf den Kopf. Es wird sich kreuzweise verliebt, Geschlechterrollen gewechselt und abgeschüttelt und das ohne dabei den Humor zu verlieren. Dementsprechend wird das Stück, das 2017 in New York uraufgeführt wurde als «a gender-bending, patriarchy-smashing, hilarious new take on the classic tale» angepriesen.

Ausgewählt wurde «Marian or the True Tale of Robin Hood» von der Theatergruppe als Kollektiv, wie Pascale Albrecht, die Produzentin der diesjährigen Vorstellung erklärt. Gemeinsam mit der Regieverantwortlichen Isabel Schmidt leitet sie die studentische Theatergruppe. «Ein Grund, weshalb wir gerade das Stück um Robin Hood/Maid Marian ausgewählt haben, ist sicherlich, dass viele Mitglieder der Gruppe selbst queer sind und sich auch im Alltag mit LGBTQ+-Themen auseinandersetzen», so Albrecht weiter.

Der Theaterverein Blueprint Masquerades ist eine stattliche Truppe. In der diesjährigen Produktion machen ganze 46 Studierende mit. Die Mitwirkenden gehören hauptsächlich dem Englischen Seminar an, jedoch hat es auch ETH-Studis wie etwa einen Mathematik-Doktorierenden darunter. Was die Leute des Vereins laut Schmidt verbindet, sei die Liebe zur englischen Sprache und eine gewisse «Offenheit» und «Freude daran kreativ zu sein». Sie beschreibt die Theatergruppe als «eigentlich immer unterhaltsam, manchmal chaotisch».

Viel Liebe zum Detail

Es sind jedoch nicht alle 46 Studierenden auch auf der Bühne zu sehen. Ein Teil davon ist für das Bühnenbild, die Kostüme, die Musik oder das Marketing zuständig. Besonders die Musiker*innen sind dieses Jahr gefordert. Anders als bei früheren Produktionen, begleiten sie nicht nur die Aufstell- und Abräumphasen auf der Bühne, sondern auch die Handlung selbst. «Dies erfordert ein gutes Timing mit dem Skript», erklärt der musikalische Leiter Cédric Stüssi. «Besonders bei den Kampfszenen muss die Band sehr aufmerksamsein, um ihren Einsatz nicht zu verpassen.»

Interessant sind auch die eigens entworfenen Kostüme der Schauspieler*innen. Die Figuren teilen sich auf in die Gruppe von Hood/Marian, die «Merry Men», und die Gefolgschaft von Prinz John. Dies wird durch die Kleidung unterstrichen. Während letztere klassisch mittelalterlich auftreten, spielen die «Merry Men» in einem 80er Jahre Sport-Chic. Wilmari Clasen, die «Head of Costume» erklärt, dass das Ziel gewesen sei, die unterschiedlichen Geisteshaltung der beiden Gruppen zu zeigen. Die Gefolgschaft um Prinz John werden als konservativ und frauenfeindlich dargestellt, wohingegen sich die «Merry Men mit modernen Glaubenssätzen auseinandersetzen».

Das Bühnenbild zeugt ebenfalls von viel Liebe zum Detail. Das Stück spielt vor einem riesigen Vorhang, worauf ein Wald mit detailliert aufgemalten Blättern zu sehen ist. «Der wurde mit viel Herzblut vom Team bemalt», sagt Ren Schnüriger von der Leitung Bühnenbild. Besonders stolz sei das Bühnenbild-Team aber auf die Burg, welche sie aus Styropor zusammengebaut haben. Obwohl die meisten Mitglieder der Theatergruppe keine grosse Kulissenbau-Erfahrungen haben, vereine sie die Liebe zum Basteln, so Schnüriger.

Mehr als eine Theatergruppe

Generell sei die Stimmung in der Gruppe von Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung geprägt. Nachdem die Aufführungen letztes Jahr coronabedingt um zwei Monate nach hinten verschoben werden mussten, stand die Gruppe dieses Jahr unter Zeitdruck. Doch das merkt man der Truppe nicht an. Viele Mitglieder beschreiben die Blueprint Masquerades dann auch als ihre «Hauptfreundesgruppe», welche ihnen gerade in den ungewissen Zeiten von Covid Sicherheit und Regelmässigkeit schenkte. Andere schätzen das gemeinsame Arbeiten auf ein kreatives Projekt hin, da dies mit anderen Mitstudierenden häufig nicht möglich sei. Wie sich diese Stimmung auf die Theaterproduktion auswirkt, kann nach den Osterferien beobachtet werden.

Die Premiere von «Marian or the True Tale of Robin Hood» ist am 22. April im Theatersaal Irchel. Weitere Aufführungen finden am 23./27./28./29. April jeweils um 19:30 statt. Tickets können online auf der Website der Blueprint Masquerades reserviert werden. Der Eintritt ist kostenlos.

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