Lea (l.) und Lynn sind Mitgründerinnen des Kollektiv Clash in Freiburg. (Bild: Prisca Rahner)

Sie bekämpfen Sexismus im Spital

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In Freiburg organisieren sich Medizinstudis im Kollektiv Clash gegen sexuelle Belästigung.

«Sexuelle Belästigung ist nicht Teil des Praktikums. 45 Prozent waren dennoch Opfer davon.» Solche Plakataufschriften machen auf das Problem der sexuellen Belästigung im Gesundheitswesen aufmerksam. Und zwar nicht in Zürich, sondern in Freiburg: Dort hat die Universität diesen Herbst zusammen mit dem Freiburger Kantonsspital und dem Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit eine Kampagne zum Thema Sexismus lanciert.

Im Rahmen davon und auf Initiative der Uni hat sich ein Studi-Verein gebildet, der sich Clash Fribourg nennt: Eine Gruppe von Medizinstudierenden, die Prävention gegen sexuelle Belästigung im Kontext des Medizinstudiums betreibt.

Das Vorbild von Clash kommt aus Lausanne

Clash steht für «Collectif de lutte contre les attitudes sexistes en milieu hospitalier». Eine smarte Abkürzung, die aber nicht in Freiburg entstanden ist: «Unser Vorbild ist Clash Lausanne», sagt Lea Waldburger, Mitgründerin von Clash Fribourg. «Dort haben Medizinstudierende 2018 eine Umfrage lanciert, bei der es um sexuelle Belästigung und Sexismus während den Praktika ging. Und die Ergebnisse waren ziemlich mies», so Lea.

Beispielsweise sei am Universitätsspital in Lausanne einer Studentin gesagt worden: «Es braucht zwei Frauen für die Arbeit eines Mannes.» Daraufhin gründeten einige Medizinstudent*innen in Lausanne das erste Clash-Kollektiv der Schweiz.

Eine Anlaufstelle für Betroffene

Die Thematik ist seit diesem Jahr auch an der Universität Freiburg präsent: Eine von der Uni durchgeführte Umfrage unter Medizinstudierenden zeigt, dass 92 Prozent der Befragten bereits von Sexismus oder sexueller Belästigung in Spitälern gehört haben; 54 Prozent fürchten sich davor, in Praktika davon betroffen zu sein. Hier möchte Clash Fribourg durch Sensibilisierungsarbeit und Solidarisierung Abhilfe schaffen. Dies soll durch Projekte wie Filmabende und ein Theaterforum gelingen. «Wir machen zum Beispiel Rollenspiele, bei denen wir uns in kritische Situationen in Spitälern versetzen. Dadurch finden wir heraus, wie man am besten auf diese reagieren kann», sagt Lea.

Die zweite Haupttätigkeit des Vereins ist die sogenannte Antenne, eine Anlaufstelle für Betroffene. «Dazu gehören eine telefonische Betreuung und ein Formular auf unserer Website, das man ausfüllen kann, wenn man Sexismus oder grundsätzlich Diskriminierung erfahren hat.» Die Ergebnisse des Formulars würden halbjährlich ausgewertet und an das Freiburger Kantonsspital weitergereicht.

«Vielleicht gibt es Clash plötzlich bei uns?»

Auf der anderen Seite des Röstigrabens tut sich in dieser Hinsicht momentan nicht viel. In Zürich findet sich noch kein Clash-Ableger – fehlt also einfach die Initiative der hiesigen Universität? «Ich glaube nicht, dass Sexismus im Studienalltag eine allzu grosse Rolle spielt», sagt Lara Bader, Co-Präsidentin des Fachvereins Medizin an der Uni Zürich. In ihrer einjährigen Amtszeit sei das Thema von den Studierenden nie explizit angesprochen worden.

Auffallend sei jedoch der tiefe Anteil an weiblichen Dozierenden und Frauen in den Führungspositionen, so Lara. Dafür gibt es an der Universität Zürich die Arbeitsgruppe für Chancengleichheit und Nachwuchsförderung am medizinischen Dekanat. Eine Anlaufstelle für Betroffene  besteht aber noch nicht. «Wahrscheinlich hat sich nur noch niemand gefunden, der da die Initiative ergreifen würde», vermutet Lara. «Wer weiss, vielleicht gibt es den Verein ja bald auch bei uns?»

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