Die ETH plant zwar mehr Veloabstellplätze im Zentrum, doch mit einer baldigen Entspannung ist im Hochschulquartier nicht zu rechnen (Bild: Jonathan Progin).

Studierende müssen weiterhin auf bessere Velowege warten

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Die Stimmbevölkerung von Zürich hat vor einem Monat die «Velorouten-Initiative» angenommen. Das lässt vielerorts auf bessere Velowege hoffen – auch rund um Uni und ETH. Doch ausser Projekten läuft dort momentan nicht viel.

70,5 Prozent der Stimmbevölkerung hat am 27. September in Auftrag gegeben, dass Zürich 50 Kilometer Veloschnellrouten erhält. Doch die «Velorouten-Initiative» ist nicht der erste Versuch, das Velofahren in Zürich attraktiver und vor allem sicherer zu machen. So hatte der 2012 vorgestellte «Masterplan Velo» zum Ziel, den Veloverkehr zu steigern und die Infrastruktur auszubauen. Realisiert wurden in den letzten acht Jahren aber nur etwa sieben Kilometer Velowege.

Klar ist, dass die Verkehrsplanung in Zürich angesichts der knappen Platzverhältnisse nicht leicht ist. Aber auch ähnlich grosse Städte wie Sevilla mit ihren engen Gassen haben in wenigen Jahren ihren Verkehr velofreundlich gestaltet. Das «Erfolgsgeheimnis» ist schon lange kein Geheimnis mehr: Eindeutig signalisierte und abgetrennte Velowege mit Vortritt machen Velofahren sicher und attraktiv.

Fehlende Markierungen, mehr Unfälle

Die Zahl an verunfallten Velofahrer*innen hat sich in Zürich gemäss Verkehrsunfallstatistik 2019 in den letzten zwölf Jahren verdoppelt. Grund dafür sind unter anderem im Nichts endende Velostreifen, unklare Markierungen und Mischflächen. Das sollte sich jetzt dank der «Velorouten-Initiative» ändern: In zehn Jahren muss ein Netz von mindestens 50 Kilometern Veloschnellrouten auf den Zürcher Gemeindestrassen erstellt werden. Die Veloschnellrouten sollen autofrei sein, Ausnahmen gelten für Ambulanz, Gewerbe und Anwohner*innen. Gemäss den Initiant*innen reiche dafür meist eine Änderung der Signalisation aus.

Doch ob zehn Jahre dafür reichen? Auf Nachfrage sagt Rupert Wimmer, Leiter Verkehr und Stadtraum des Tiefbauamts der Stadt Zürich: «Die Signalisationsänderungen erfolgten bisher alle in Strassenbauprojekten und die haben eine extrem lange Entwicklungszeit. Wir haben gemerkt, dass wir unsere Ziele so nicht umsetzen können.» Neu wird sich die Stadt also auch vermehrt «Express-Projekten» annehmen.

Die Rämistrasse steht im Fokus

Die Annahme der Initiative weckt auch Hoffnungen für eine Verbesserung der Veloinfrastruktur rund um Uni und ETH. Ausserdem wird sich in den nächsten Jahren ohnehin einiges tun im Hochschulquartier: Bis 2027 soll das neue Bildungszentrum «Forum UZH» stehen und das Unispital plant den Bau von fünf neuen Gebäuden. «Da schauen wir natürlich, dass bei diesen Projekten auch der Veloverkehr berücksichtigt wird», verspricht Wimmer.

Unter anderem stehe die Rämistrasse im Fokus, auf welcher sich die Velofahrer*innen bis anhin ohne eigene Spur durchkämpfen müssen. Sie ist allerdings eine Kantons- und nicht eine Gemeindestrasse, was sie von der «Velorouten-Initiative» ausschliesst. Wimmer erklärt, konkret laufe ein Projekt mit dem Ziel, Tempo 30 einzuführen und Platz für Velos zu schaffen. Als Bauzeit sei im Moment 2025/26 vorgesehen. Bis anhin scheinen solche Projekte jedoch Tendenz zur Verzögerung zu haben.

Mehr Veloabstellplätze bei der ETH in Planung

Und welche Rolle übernimmt die Universität selbst? «Die Uni steht in regelmässigem Kontakt mit Kanton und Stadt und setzt sich für die Förderung des Veloverkehrs in der Umgebung ein», sagt Mediensprecherin Rita Ziegler gegenüber der ZS. So wurde die Tannenstrasse vor zwei Wochen aufgewertet und auch die Verbindung vom Zentrum zum Irchel, die Scheuchzerstrasse, soll zum Zug kommen. Sie ist Teil der fünf Kilometer, die gemäss der Initiative bereits bis Ende 2021 velogerecht ausgebaut werden. Das heisst, der Durchgangsverkehr fällt weg und grosse Velo-Piktogramme sollen den Anfang der Strasse markieren.

Im Zentrum sind auch mehr Veloabstellplätze geplant, wie es auf Anfrage bei der Medienstelle der ETH heisst. So sollen in den Tiefgaragen unterhalb des ETH-Hauptgebäudes und des CHN-Gebäudes an der Universitätstrasse Veloabstellplätze hingestellt werden. «Im Gebiet entlang der Leonhard- und Clausiusstrasse werden ebenfalls zusätzliche Abstellplätze geprüft», liess die Medienstelle ausrichten. Allerdings ist nach wie vor unklar wie die Velowege auf den Campus Hönggerberg ausgebaut werden sollen: «Für eine Aussage darüber, inwiefern die Abstimmung nun einen Einfluss auf die Campus der ETH Zürich hat, ist es zurzeit noch zu früh.»

Inwiefern also die «Velorouten-Initiative» die Situation für velofahrende Studierende verbessen kann, ist angesichts der vielen Projekte, die in der Planungsphase stecken, noch unklar.

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