Rakel (Kristine Kujath Thorp) will mit 23 alles, nur nicht Mutter sein. Bild: © Moitys Photo / Lars Olav Dybvig

Rakel (Kristine Kujath Thorp) will mit 23 alles, nur nicht Mutter sein. Bild: © Moitys Photo / Lars Olav Dybvig

Übergangszeiten

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Film – Planlos streift die 23-jährige Rakel (Kristine Kujath Thorp) durch ihr Leben. Ihre Zeit verbringt sie mit Partys, Alkohol, Zigaretten und Drogen. Sie hat viele verschiedene Visionen, wenn es um ihre Zukunft geht. Am liebsten würde sie allerdings Comiczeichnerin werden. Aber Mutter zu sein, schwebt ihr nicht vor, weshalb sie auch geschockt ist, als sie erfährt, dass sie im sechsten Monat schwanger ist und nicht jede Frau einen kugelrunden Babybauch bekommt. Während sie versucht, herauszufinden, welche ihrer Affären der Vater ist, begibt sie sich auf eine Reise der Selbstentdeckung. Für eine Abtreibung ist es zu spät, Adoptionseltern sind ihr suspekt, und behalten möchte sie das Baby auf keinen Fall.

Während der letzten Monate ihrer Schwangerschaft beginnt Rakel einen Comic zu zeichnen, mit welchem sie ihre Gefühle sortiert: «Ninjababy». Das Ninjababy erscheint ihr fortwährend bei der Suche nach Klarheit, Sicherheit und Muttergefühlen, welche einfach nicht aufkommen wollen. Wie die norwegische Regisseurin Yngvild Sve Flikke im Gespräch nach der Vorpremiere im Riffraff erklärt, war es ihr Ziel, einen Film über das Abenteuer der Schwangerschaft zu kreieren, der die inneren Diskurse einer Frau in einer Komödie vermittelt, ohne dass es von den Zuschauenden als überspitzt wahrgenommen wird. Diese Vision setzte sie um, indem sie eine Kombination zwischen Animation und Film wählte. Die Animationen sind dauerpräsent und zeigen die emotionale Achterbahnfahrt der Depressionen, Überforderung und Hilflosigkeit, welche Rakel begleitet.

Der Film übermittelt dem Publikum mit einer überraschenden Leichtigkeit, wie sich das Erwachsenwerden heutzutage anfühlen kann. Fragen über Sexualität, das Patriarchat und mentale Gesundheit werden in den Raum geworfen, ohne eine Interpretation oder Wertung der Geschehnisse abzugeben, was einen während des Schauens automatisch dazu verleitet, sich selber Gedanken zu machen.

Man merkt, wie gerne die Regisseurin mit den Stereotypen der Geschlechterrollen spielt und mit Feinheiten versucht, diese aufzubrechen. Sei es mit der unkonventionellen Entscheidung, wie das Kind schlussendlich aufgezogen wird oder mit hervorgehobenen Charaktereigenschaften der Protagonistin, die traditionellerweise wohl von vielen als «männlich» bezeichnet würden. Mit einer Natürlichkeit erzählt Flikke von den Problemen einer emanzipierten Frau in der heutigen Zeit und ermöglicht den Zuschauenden einen differenzierten Einblick in das komplizierte Leben junger Erwachsener.

«Ninjababy» ist eine Bereicherung für alle, die gerade mitten im Prozess stehen, eine Richtung für ihr Leben zu finden und sich gerne mit Themen der Geschlechterrollen, Selbstfindung und dem Erwachsenwerden auseinandersetzen.

«Ninjababy» läuft ab dem 3. Februar in Deutschschweizer Kinos.

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