Helena Hefti arbeitet seit 2013 als Teilzeit Life-Coachin. (Bild: zVg).

«Überwindung ist ein zentrales Thema»

von

Ist das Streben nach Superlativen die Lösung? Life-Coachin Helena Hefti steht Rede und Antwort.

Frau Hefti, Sie arbeiten mit der Wim-Hof-Methode, also mit Atemübungen und Kälte-Exposition. Sie bringen Menschen buchstäblich bei, ins kalte Wasser zu springen. Warum?

Jeder Coach hat einen Werkzeugkoffer. Die Wim-Hof-Methode ist eines meiner Werkzeuge, weil es sehr effektiv ist. Warum Menschen am Kurs teilnehmen, ist eine andere Frage. Wie man sich selbst überwindet, ist sicher für viele ein wichtiges Thema. Aber auch der Wunsch, Lösungen für ein bestimmtes gesundheitliches oder psychisches Problem zu finden, kann ein Grund sein. Oder einfach Neugier und die Lust, Neues auszuprobieren.

Fast alle Selbstoptimierungs-Methoden brauchen Überwindung. Aber warum soll man sich überhaupt überwinden, ins kalte Wasser zu springen?

Der springende Punkt ist, dass es eigentlich nicht schwierig ist. Am Anfang haben viele Respekt, weil wir gelernt haben, dass Kälte nicht gut tut. Sobald man drin ist und sich auf seine Atmung konzentriert, gewöhnt man sich schnell daran.  Danach fühlt man sich glücklich und gelassen. Die Methode ist eine Abkürzung, um schnell ein positives Gefühl zu erlangen.

Das Erlernen von solchen Methoden kann dazu führen, dass wir stressige Lebenssituationen weniger hinterfragen und nur noch an unserer Resilienz feilen. Macht uns Selbstoptimierung zu weniger kritischen Menschen?

Nicht unbedingt. Eigentlich geht es nach meinem  Verständnis vor allem darum, zu lernen, die eigene Reaktion besser steuern zu können. Dabei übt man, sich in stressvollen Situationen wie Kälte zu entspannen und bewusst auf unsere Atmung zu achten. So kann man nach einer Zeit auch im Alltag besser mit fordernden Situationen umgehen.

«Am besten tut einem das, worauf man Lust hat» ist eine verbreitete Einstellung. In den Selbstoptimierungs-Methoden scheint oft das Schaffen von Strukturen im Zentrum zu stehen. Kann man sein Leben nicht auch meistern, in dem man das tut, auf das man Lust hat?

Ich empfehle eine Methode zu wählen, von der man sich auf irgendeine Art und Weise angesprochen fühlt und auf die man Lust hat. Ich strukturiere meinen Alltag nicht starr, aber ich plane trotzdem bestimmte Aktivitäten ein, von denen ich weiss, dass sie mir gut tun. Dazu gehören morgendliche Atemübungen. Je mehr ich leisten will, desto bewusster teile ich mir den Tag ein. Denn man ist immer wieder in Situationen im Leben, während denen solche Strukturen hilfreich sein können. Beispielsweise wenn man als Studierende auf eine Prüfung lernen muss. 

Ziel solcher Techniken ist es, zufriedener zu sein. Haben wir verlernt zufrieden zu sein, auch wenn wir mal nichts «Produktives» getan haben?

Die Illusion liegt darin, zu denken, dass ich zufrieden bin, wenn ich etwas erledigt habe. Ich kann mir auch vornehmen, an einem Tag nichts zu machen. Dieses Ziel kann ich auch erreichen und es ist genauso erstrebenswert wie jedes andere. Das Problem liegt meines Erachtens öfter bei der Zielsetzung.

Wenden Sie all ihre Methoden in ihrem Alltag selbst an?  Oder duschen Sie auch mal heimlich warm?

Ja, eigentlich schon (lacht). Zwar nehme ich vielleicht mal ein warmes Bad, im Anschluss dusche ich aber trotzdem kalt.

 

Zur Person:

Helena Hefti hat 2013 die Coaching-Ausbildung abgeschlossen und arbeitet seither Teilzeit als Life-Coachin und als Qualitätsmanagerin beim Bund. Sie gehört zu den Schweizer Wim-Hof-Coaches der ersten Stunde.

 

 

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